07.06.2020 06:00 |

Staus und Chaos?

Neuer Sommer-Plan: Urlaubsreise in Ungewissheit

Eines ist klar: Dieser Sommer wird für uns alle anders, als wir ihn bisher kannten. Doch was bedeutet das konkret für Trips ins Ausland mit dem Auto und dem Flugzeug? Die „Krone“ bat zwei Verkehrsexperten um ihre Einschätzung. 

Nach dem Grenz-Wirrwarr der vergangenen Tage gab es am Samstag eine Atempause. Staus wurden kaum gemeldet, die Aufregung um Strafen oder fehlende Informationen hat sich etwas gelegt.

Reisen nach Italien bald möglich?
Indes rückt mit dem kommenden Feiertag Fronleichnam am Donnerstag der nächste Reise-Brennpunkt in den Fokus. Und da könnte schon die Fahrt in den Süden und der Weg ans Meer der Wiener Richtung Lignano, Jesolo und Co. frei sein bzw. ohne Quarantäne oder gültigen Corona-Test bei der Rückkehr möglich sein. Denn speziell in grenznahen italienischen Regionen gibt es de facto keine Fälle mehr. Auch Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser hofft auf eine Lösung noch vor dem 15. Juni.

Mit der neuen Reisefreiheit kehrt bei einigen Österreichern jedenfalls doch noch die Hoffnung auf ein bisschen Unbeschwertheit im Urlaub zurück. Was jedoch weitgehend ungewiss bleibt, ist der Weg zum Ziel. Blechkolonnen vor den Grenzübergängen, Warteschlangen beim Security-Check - worauf müssen sich Reisende einstellen?

„Reiseverkehr heuer eine große Unbekannte“
ÖAMTC-Mobilitätsexperte Harald Lasser erklärt: „Der Reiseverkehr ist heuer eine große Unbekannte, weil er mit keinem anderen Sommer vergleichbar ist.“ Durch die kurzfristigen Grenzöffnungen sei vieles noch in der Schwebe. Der Traum vom Urlaub am Meer bleibt vorerst noch ein Traum. Lasser dazu: „Aus unserem Reisebüro wissen wir, dass viele Menschen ihren Urlaub storniert haben. Italien wird heuer sicher nicht das große Reiseziel sein.“

Auf bestimmten Routen müssten Autofahrer dennoch mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen rechnen. Dazu gehöre etwa die Brenner-Strecke oder Routen nach Kroatien. „Andere Ausflugsziele sind diesen Sommer sicher auch relevant, sofern die Einreise möglich ist und bleibt – etwa in Richtung Plattensee nach Ungarn, zum Shoppen nach Udine oder in die Excalibur City nach Tschechien“, weiß Lasser.

Offen bleibe, wie sich die Corona-Krise auf den innerösterreichischen Reiseverkehr auswirke. Bekannte Urlaubsgebiete wie das Salzkammergut oder Gegenden rund um die Kärntner Seen könnten den Reiseverkehr am ehesten zu spüren bekommen.

Das Hauptproblem verortet der Mobiltätsexperte jedoch im normalen Berufsverkehr: „Wir dürfen nicht vergessen, dass viele Menschen in der Corona-Zeit in Kurzarbeit waren. Einige werden im Juli und August durcharbeiten – und das wirkt sich auf den Verkehr aus, besonders in den Städten. Baustellen könnten unangenehmer werden, als wir es bisher im Sommer gewohnt waren.“

Lange Wartezeiten bei Check-in und Boarding
Mehr Geduld brauchen nicht nur Autofahrer, sondern auch Flugreisende. Luftfahrtsexperte Kurt Hofmann: „Womit Passagiere jetzt rechnen müssen, sind längere Wartezeiten. Das betrifft sowohl den Check-in als auch das Boarding selbst. Hier ist es denkbar, dass Gäste in Gruppen in das Flugzeug einsteigen – von hinten nach vorne. Es wird auch mehr Busse geben müssen, um den Sicherheitsabstand zu wahren.“ Ein Staupunkt sei vor allem die Sicherheitskontrolle – „weil es hier unweigerlich zu vielen Kontakten kommt“.

Welche Folgen hat Corona auf Ticketpreise? Hofmanns Prognose: „Zumindest anfangs werden Flüge relativ günstig sein, um eine Nachfrage zu erzeugen. Kaum eine Maschine wird voll besetzt sein.“

„Gibt genug freie Zimmer“
Doch wie sieht es eigentlich umgekehrt aus? Wohin reisen ausländische Touristen und haben heimische Herbergen überhaupt noch genügend Platz für Urlauber? Da viele Österreicher heuer daheim Urlaub machen, befürchtet s
o mancher Tourist, in unserem kleinen Land könnte es dann ganz schön eng werden. Unbegründet, heißt es vom Hotelfachverband der Wirtschaftskammer.

„Die Seengebiete und Wellness- und Thermenhotels sind schon gut gebucht, aber es gibt noch genug freie Zimmer“, so Obfrau Susanne Kraus-Winkler. Flexibilität könne aber ein Vorteil sein. Trotz der steigenden heimischen Nachfrage ist die Öffnung der Grenzen wesentlich für die heimische Hotellerie. 70 Prozent der Nächtigungen kommen von Auslandstouristen. Das betrifft verstärkt die Stadthotels. 50 Prozent Auslastung wären nötig, nur um die Kosten zu decken. Die Nachfrage ist allerdings noch sehr gering. Gruppenreisen, Seminar- und Kongresstourismus sind nicht existent.

Durch den „gezwungenen“ Urlaub in Österreich werden vielerorts Wucherpreise befürchtet. Kontraproduktiv, meint auch Kraus-Winkler. „Das macht doch gerade in Zeiten wie diesen keinen Sinn.“

Alexandra Halouska und Clemens Zavarsky, Kronen Zeitung

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