06.06.2020 07:00 |

Wieder Veranstaltungen

Die Steiermark feiert die Rückkehr zur Kultur

Fast drei Monate lang hat das Coronavirus auch in der Steiermark alle Kulturveranstaltungen verhindert. Nun machen Oper, Schauspielhaus und Literaturhaus in Graz wieder erste Schritte zurück zu einer Art von Normalität. Die „Steirerkrone“ begab sich auf Lokalaugenschein.

Applaus brandet auf und es klingt wie ein riesiger Befreiungsschlag! Nach Monaten des Corona-Lockdowns, der die steirische Kulturszene hart getroffen hat, fanden am Donnerstagabend wieder erste Veranstaltungen statt. Es sind noch zaghafte Schritte mit Sicherheitsabstand und beschränkten Besucherzahlen, die etwa das Schauspielhaus, die Grazer Oper und das Literaturhaus wagen. Aber immerhin sind erste Schritte nun auch hier wieder möglich, nachdem Galerien und Ausstellungsräume ja bereits seit einiger Zeit wieder geöffnet haben dürfen.

Wagen Sie mehr Kultur!
Vom Normalzustand ist man freilich noch weit entfernt und auch finanziell dürften diese ersten Schritte wohl eher ein Minusgeschäft sein. Aber es geht darum, ein Zeichen zu setzen - ein Zeichen der Offenheit nämlich. Denn die Kultur lebt vom Kontakt mit dem Publikum, und das Publikum sehnt sich ebenso nach diesem Kontakt: „Wir haben unzählige Nachrichten von Besuchern bekommen, wie glücklich sie sind, dass unsere Tore endlich wieder offen sind“, erzählt Isabella Cseri vom Grazer Schauspielhaus.

In den kommenden Wochen wird auch die freie Szene schrittweise folgen - sehr zur Freude eines zwar dankbaren, aber auch noch etwas zaghaften Publikums. Die Corona-Krise und ihre Nachwehen werden die Kulturwelt noch lange beschäftigen. Das Einzige, was man Veranstaltern, Politikern und dem Publikum auf diesem Weg mitgeben kann ist: Wagen Sie mehr Kultur! Hier einige Tipps.

Oper Graz: Endlich wieder Publikum
Leer ist es in der Oper Graz. Freilich nicht ganz so leer wie die letzten 84 Tage. Und doch: Man darf wieder vor Publikum spielen - zum Glück.Die Bühne war ähnlich spärlich besetzt wie der Zuschauerraum an diesem ersten Konzertabend in der Grazer Oper: drei Klaviere, eine Harfe. So ließ man der Musik, vorgetragen vom bekanntermaßen hochwertigen Ensemble, den gebührenden Raum, konnte sich jede Arie entfalten.

Reminiszenzen an vergangene Aufführungen verwoben sich an diesem Abend mit Eindrücken von entfallenen Premieren wie etwa Bizets „Perlenfischer“. Nach dem famos vorgetragenen Duett von Pavel Petrov und Dariusz Perczak kann man zumindest erahnen, was man versäumt hat. Zahlreiche „Bravo!“-Rufe ließen beinahe vergessen machen, dass die Ränge für gewöhnlich voll besetzt sind. Noch ist keine Normalität eingekehrt, aber die Hoffnung auf den ganz großen Musiktheatergenuss wächst wieder.

Den „Musenkuss“ des Eröffnungsabends kann man sich noch heute und am 20. Juni abholen. Im Rahmen eines Sonderspielplans gibt es zudem bis Ende Juni noch weitere spannende Programmpunkte in der Oper Graz zu sehen.

Schauspielhaus Graz: Judas in der virtuellen Realität
Wer Kultur abseits von Gedränge sucht, ist im Schauspielhaus beim virtuellen 360-Grad-„Judas“ sicher richtig: nur acht Zuschauer, mehrere Meter Abstand, die Virtual-Reality-Brillen frisch desinfiziert und von den Einweisern nicht einmal beim Erklären der Technik angefasst.

Ein Theater ist Fredrik Jan Hofmanns 150 Mal gespieltes „Judas“-Solo in dieser Form nicht. Vielmehr ist es ein Film, und zwar mit großartigen Spezialeffekten: Durch die VR-Brille sitzt man in einem Moment noch im Gang des Schauspielhauses, im nächsten schon in der Leechkirche, wo Hofmann seinen einstündigen Monolog aufgenommen hat.

Ein Ersatz für Schauspieler, die im gleichen Raum mit dem Publikum sind, ist das nicht. Aber es ist ein schöner und wichtiger Schritt für die Zuschauer zurück ins Haus. Und der war lange ersehnt.

Literaturhaus Graz: Autogrammstunde hinter Plexiglas
„Kommen Sie rein. Sind Sie zu zweit? Warten Sie hier! Gehen Sie da lang. Setzen Sie sich hier!“ Es kommt einer Choreografie gleich, wie die Mitarbeiter im Literaturhaus den Besuchern der ersten Lesung nach dem Corona-Lockdown ihren Platz im Saal zuweisen. Und auch Hausherr Klaus Kastberger stellt zu Beginn der Veranstaltung fest: „So wie Sie hier sitzen, sind Sie eigentlich ein Kunstwerk.“

Die Grazer Autorin Nava Ebrahimi war die erste von insgesamt 30 Autoren, deren Lesung im Literaturhaus wegen Corona abgesagt werden musste. Nun ist sie es, die das Haus wieder eröffnen darf - mit ihrem großartigen neuen Roman „Das Paradies meines Nachbarn“.

Ein paar virtuelle Lesungen hatte sie in den vergangenen Wochen, aber so recht hat die Kultur als Fernkultur nicht funktioniert: “Mir fehlen die Gespräche nach den Lesungen. Da erfährt man Dinge über den eigenen Roman, die einem selbst nicht bewusst waren, und das vervollständigt das Buch doch erst", sagt Ebrahimi.

Die dafür notwendigen Begegnungen sind nun auch bei der Autogrammstunde wieder möglich - wenn auch vorerst hinter Plexiglasscheibe und mit schicken roten Lederhandschuhen als Schutz vor Viren. Aber die Leute stehen dennoch an, wollen ein paar Worte mit der Autorin wechseln. Die Literatur ist eben ein Virus, gegen den nicht einmal Corona ankommt.

Hannah Michaeler, Roland Schwarz und Christoph Hartner, Kronen Zeitung

 Steirerkrone
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