05.06.2020 12:54 |

Wien als Vorbild

SPÖ-Chefin für österreichweiten Gastro-Gutschein

SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner fordert österreichweit einen Gastro-Gutschein in der Höhe von 50 Euro pro Mehrpersonenhaushalt, um so den heimischen Cafés und Restaurants in der Coronavirus-Krise wirtschaftlich unter die Arme zu greifen. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hatte Mitte Mai eine derartige Gutschein-Aktion angekündigt, beschlossen und umgesetzt wurde sie bis dato aber noch nicht.

Ein österreichweiter Gastro-Gutschein - nach Vorbild des Wiener Modells - würde 160 Millionen. Euro pro Jahr kosten, sagte Rendi-Wagner am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien. Diese Kosten seien aber Investitionen, um Arbeitsplätze in der heimischen Gastronomie zu sichern. Für Einpersonenhaushalte soll es in Wien einen Gastro-Gutschein in Höhe von 25 Euro geben.

Geschäft läuft nur schleppend an
Nach zwei Monaten Coronasperre hat sich das Gastronomiegeschäft seit der Wiedereröffnung am 15. Mai laut Branchenvertretern teilweise nur schleppend entwickelt. Aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit - Stichwort Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit - wird oftmals auf Gastronomiebesuche verzichtet und es fehlen die ausländischen Gäste.

„Diese Situation wird sich in den nächsten Tagen und Wochen - so wie es heute aussieht - nicht verbessern“, sagte Rendi-Wagner. „Viele Wirte kämpfen um ihre Existenzen, kämpfen um ihr Weiterbestehen und stehen zum Teil mit dem Rücken zur Wand.“ In Österreich gibt es rund 60.000 Gastronomiebetriebe, die im vergangenen Jahr mit über 145.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 9,1 Milliarden Euro erzielten.

Kritik an türkis-grünen Corona-Hilfen
Die SPÖ-Chefin übte erneut Kritik an den Corona-Hilfen der Regierung. „Die versprochenen Hilfen, diese versprochenen Millionen kommen bei sehr, sehr vielen betroffenen Unternehmerinnen und Unternehmern, in diesem Fall Wirtinnen und Wirte, zum Teil gar nicht an oder sie kommen zu spät an“, sagte Rendi-Wagner. „Es sind wertvolle Wochen verstrichen.“

Die Hilfen seien außerdem „hoch bürokratisch“ organisiert. Die Regierung präsentiere sich als „Almosengeber“, kritisierte die SPÖ-Vorsitzende. Die Epidemiegesetz-Novelle von ÖVP und Grünen Mitte März hätte die Entschädigungsregeln für Betriebe außer Kraft gesetzt., so Rendi-Wagner.

Lob für Deutschlands Konjunkturpaket
Die SPÖ fordert von der Regierung seit längerem zumindest für Betriebe bis 25 Mitarbeiter eine „volle Entschädigungsleistung für die Zeit des Verdienstentgangs“ und das größte Investition- und Beschäftigungsprogramm der Zweiten Republik. Rendi-Wagner lobte das geplante 130-Milliarden- Euro-Konjunkturpaket in Deutschland. Angesichts der Rekordarbeitslosigkeit in Österreich müsse man nun schnell handeln. „Der Faktor Zeit ist entscheidend.“

Die SPÖ-Chefin hatte zu ihrer Pressekonferenz zwei Gastronominnen und einen Caterer eingeladen. „Alles, was ich mir aufgebaut habe, habe ich verloren“, sagte die Betreiberin des Wiener Ungargrill, Darija Kasalo. „Man fühlt sich dauernd wie ein Bittsteller.“ Kasalo kritisierte die geringen Hilfen der Regierung und eine fehlende Lösung für Betriebsmieten. Ihre Lokalmiete sei nur gestundet worden.

Gastronomen beklagen geringe Umsätze
Die Gastronomin Daniela Festini vom Wiener Gasthaus Grabmüller beklagte die geringen Umsätze nach der Wiedereröffnung. Die Fixkosten seien aber gleich hoch geblieben. „Ich weiß nicht, wie ich nächste Woche mein Leben zahlen soll.“ Der Wiener Caterer Andreas Fuith sieht „die Konsumfreudigkeit auf dem Tiefpunkt“, weil der Bevölkerung wegen der Coronavirus-Pandemie zwei Monate Angst gemacht wurde. Man müsse wieder wegkommen von der „Angstkultur“. Lobende Worte fand er für die Corona-Kurzarbeit. „Bei mir hat das mit Kurzarbeit sehr gut funktioniert“, sagte der Caterer. Größere Probleme ortet er bei der Kommunikation mit den Banken im Hinblick auf Betriebskredite. Einig waren sich die Gastronomen, dass die Senkung der Mehrwertsteuer auf alkoholfreie Getränke im zweiten Halbjahr 2020 von 20 auf zehn Prozent die Branche nicht retten werde.

 krone.at
krone.at
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Freitag, 03. Juli 2020
Wetter Symbol

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.