„Tanzverbot!“

Trotz Sperrstunden-Verlegung bleiben Clubs zu

Trotz Verlegung der „Corona-Sperrstunde“ werden viele Clubs nicht aufsperren. City4U hat mit Betreibern gesprochen. 

Nach aktuellem Stand soll die „Corona-Sperrstunde“ Mitte Juni von 23 Uhr auf 1 Uhr Früh verlegt werden. Die meisten Clubs der Stadt bleiben dennoch geschlossen. „Mit den Abstandsregeln macht eine Öffnung keinen Sinn“, erklärt das Team vom Prater Dome, der größten Diskothek der Stadt. Auch das U4 bleibt vorerst zu. "Das Geschäftsmodell von Clubs besteht im Wesentlichen darin, dass Menschen eng aneinander gedrängt, tanzen, schwitzen und Spaß haben. Zu glauben, dass ein Clubbetrieb mit Abstand oder an Tischen sitzend funktioniert, ist im besten Fall naiv oder eine ,neue Normalität‘, die keiner braucht oder will“, so Inhaber Michael Gröss.

Er ergänzt: „Wir haben allerdings Verständnis, dass eben diese Umgebung für eine Verbreitung des COVID-19-Virus riskant ist und es im Interesse der Allgemeinheit sein kann, dies momentan noch nicht zu ermöglichen. Allerdings wird es jetzt Zeit, dass die Politik ihre Arbeit statt Pressetermine macht und nach drei Monaten dann auch mal beginnt, sich sinnvolle wirtschaftliche Unterstützungen für die Branchen zu überlegen, die noch längere Zeit ihren Betrieb nicht wieder aufnehmen können. Wir haben zum Beispiel unsere Mitarbeiter statt zu kündigen in Kurzarbeit geschickt - in Vertrauen auf die Empfehlung der Politik. Nun kommen drei Monate auf uns zu, in denen wir trotzdem die Differenz zahlen müssen, da ja in unserem Fall weiterhin null Arbeitsstunden anfallen. Und ab September weiß keiner, wie es weitergeht. Hätten wir damals alle gekündigt, hätten wir jetzt ein großes Problem weniger. Leider wird man in Österreich meist dafür bestraft, wenn man als Unternehmen seine Mitarbeiter unterstützen will.“

„Die Kosten, offen zu haben, sind höher als die EInnahmen, die generiert werden können“

Auch im The Loft am Gürtel denkt man momentan nicht ans Aufsperren. „Nachdem wir mit den aktuellen Auflagen nur eine sehr kleine Anzahl an Gästen rein lassen dürfen und auch keinen Außenbereich haben, macht es für uns leider auch mit der neuen Sperrstunde finanziell keinen Sinn, aufzusperren. Die Kosten, offen zu haben, sind höher als die EInnahmen, die generiert werden können“, erklärt Geschäftsführer Mike Tscholl. 

Das Cabaret Fledermaus bleibt ebenfalls zu. Geschäftsführer Wolfgang Strobl wird gegenüber City4U sehr deutlich: „Es herrscht Tanzverbot! Die derzeitigen Abstandsregelung verbietet zum ersten Mal in der Geschichte das Tanzen!“ Die Verlegung der Sperrstunde ist für ihn eine große Enttäuschung: „Kein logisch denkender Mensch kann nachvollziehen, warum das Virus um zwei Uhr ansteckender sein soll als um Mitternacht. Ein Aufsperren ist unter diesen inakzeptablen Bedingungen keine Option. Da die Schanigärten in der Inneren Stadt teilweise sogar bis Mitternacht offen haben und der Jahreszeit gemäß unsere Gäste erst danach zu uns kommen, um den Abend bei Tanz und Musik ausklingen zu lassen, würde uns zwischen Mitternacht und ein Uhr nur eine Stunde bleiben, um irgendeinen relevanten Umsatz zu machen.“ Er ergänzt: „Es bleibt die Befürchtung, dass hier auf dem Fahrwasser der Krise vielleicht sogar einschneidende gesellschaftliche Veränderungen vorangetrieben werden sollen. Ein dauerhaftes Vorverlegen der Sperrstunde, weitere restriktive Lautstärkenregelungen bei der Musik und ein Alkoholverbot nach Mitternacht könnten schon bald Wirklichkeit werden!“

In der Pratersauna und im VIE i PEE will man trotzdem öffnen. Clubmanager Chris Edy: „Die Verlängerung der Sperrstunde ist ein wichtiger und richtiger Schritt auf dem Weg zur Rückkehr in die Normalität. In der Pratersauna und im VIE i PEE haben wir in den letzten Wochen unsere Freiflächen in einen wunderschönen Garten verwandelt. Der SAUNA STRAND KLUB bietet untertags schon die Möglichkeit, am Pool zu chillen. Soweit es geht, versuchen wir das Geschäft nach vorne zu verschieben, früher zu beginnen und unseren Gästen unter Einhaltung der COVID-19-Auflagen mit diesen Adaptionen ein neues Cluberlebnis zu bieten. Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Sperrstunde in den nächsten Wochen nach hinten verlegt wird. Die Entwicklung der COVID-19-Zahlen ist sehr positiv. Jetzt braucht es Hausverstand und Eigenverantwortung von uns Clubbetreibern und unseren Gästen, damit wir bald wieder länger feiern können. Wir bereiten hinter den Kulissen schon alles vor, um sehr schnell auf alle neuen Vorgaben reagieren zu können. Wir vermissen die Nächte mit unseren Gästen und sind auch in finanzieller Hinsicht auf einen möglichst raschen Normalbetrieb angewiesen. Ein Clubbetrieb bis 1 Uhr ist nicht nur der halbe Spaß, sondern auch nur die halbe Miete.“

Juni 2020

Was meint ihr dazu? Postet uns in den Kommentaren oder schreibt uns mit Hashtag #City4U auf Facebook, Twitter oder Instagram!

Julia Ichner
Julia Ichner
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Dienstag, 07. Juli 2020
Wetter Symbol

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.