10.05.2020 09:00 |

Innsbruck

Die Landeshauptstadt ohne ihre Touristen

Wo sich normalerweise unzählige Menschen durch enge Gassen quetschen, wirken die Straßen plötzlich breit: Innsbruck ist ohne Touristen - aber vollkommen leer ist es nicht.

Die Vögelchen zwitschern ein bisschen lauter als sonst - vielleicht glaubt man das aber auch nur, nach Wochen des „Lockdowns“, nach einer Ewigkeit Zuhause. In sattem Grün strahlt der Hofgarten dem betonierten Vorplatz entgegen. Früher, so informiert die Stadt Innsbruck, sei er bloß den Kaiserlichen Hoheiten, den Fürsten und Adeligen vorbehalten gewesen.

Heute ist er für alle da. Aber alle - das sind derzeit „nur“ Einheimische. So wie in ganz Österreich ist auch die Tiroler Landeshauptstadt touristen-, aber nicht menschenleer. Wo normalerweise unzählige Gruppen über die Wiesen des Hofgartens watscheln, ist nun der Tiroler am Zug. Familien sitzen auf Decken unter Bäumen, ein Baby rollt sich quietschend über den Rasen. Platz für den Corona-Abstand ist da.

„Fein aber komisch“: Die Stimmung in Innsbruck
Die engen Altstadtgassen, sie wirken plötzlich breit. Die Gastgärten sind noch zu, die Sonne scheint trotzdem - und Menschen tummeln sich hier und da, wenn auch deutlich weniger als normal. Die vierjährige Liska rennt mit einem Luftballon in der Hand - rechts, links, alles ist möglich; man kommt sich nicht in die Quere. „Das ist schon fein“, gesteht ihre Mama ein. Aber eigenartig sei die Stimmung trotzdem.

Komisch ist es schon, keine Selfie-knipsenden Touristen vor dem Goldenen Dachl zu entdecken. Auch der Großteil der Souvenirgeschäfte ist verschlossen. Nur Anni Awad hat offen und sortiert ihre Ware in die Ständer. Seit 25 Jahren arbeitet sie hier im Herzen der Landeshauptstadt - Vergleichbares hat sie noch nie erlebt.

„Wirtschaftlich ist das natürlich eine Katastrophe“, sagt sie. Sie habe gehofft, heute den einen oder anderen Einheimischen bedienen zu können, „für den Muttertag“, erklärt sie. Aber „die Einheimischen, sie sparen zurzeit ja auch“, seufzt Awad. Dafür habe sie ob der Situation Verständnis, aber „lustig ist das nicht.“

Masken statt Massen: Eine veränderte Welt
Nein, zum Lachen ist den Touristikern in Tirol nicht. Rund 6,2 Millionen Gäste kamen im Vorjahr von Mai bis Oktober nach Tirol. Wie viele es heuer werden - ob überhaupt welche kommen dürfen -, man weiß es nicht. Corona hat alles verändert.

Menschen ziehen ihre Masken vom Gesicht, wenn sie aus Geschäften treten. Vor ein paar Monaten war das undenkbar. Heute gehört es dazu. „Aber Vergnügen ist das keines“, sagt Bernhard, der mit seinen Töchtern einkaufen war. Die Familie belohnt sich mit einem Eis, das schmeckt auch in Corona-Zeiten.

Innsbruck in Corona-Zeiten - anders kennen es die beiden italienischen Austauschstudenten Mario und Chiara gar nicht. Ihren Aufenthalt in Tirol haben sie fast gänzlich in der Wohnung verbracht, am Dienstag geht es zurück nach Hause, vorher wird aber noch ein Instagram-Foto vor der Häuserzeile am Marktplatz geknipst.

Anstellen müssen sie sich dafür nicht, der Platz ist ziemlich leer. Nur ein paar Angestellte arbeiten mit Masken im Restaurant - vorbereiten, bald dürfen sie wieder öffnen.

Bergauf kennen sich die Tiroler bekanntlich aus
„Hurra, die Gams“, steht dazu auf einem Schild vor einem Altstadtrestaurant. „Wir freuen uns so auf euch, ihr macht uns vollkommen.“ Vollkommen ist Tirol ohne Touristen wohl nicht, vollkommen leer aber auch nicht.

Die neue Kampagne der Tirol Werbung fokussiert sich hauptsächlich auf österreichische Gäste, der Slogan dazu: „Es geht bergauf“ - und damit kennen sich die Tiroler bekanntlich aus. 

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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