Neustart ungewiss

„Keine Unterstützung“: Wiener Clubbetreiber toben

Während die Baumärkte, Einkaufszentren oder Frisöre wieder offen haben, fehlt die Planungssicherheit für Bars und Diskotheken nach wie vor. Keiner der Betreiber kann zum aktuellen Zeitpunkt sagen, wann die Clubs der Stadt wieder öffnen werden. City4U hat erneut mit einigen von ihnen gesprochen.

Die Unsicherheit in der Wiener Clubszene ist spürbar. Viele Veranstalter und Chefs bangen und um ihre Existenz. Um zumindest einen Teil der Fixkosten decken zu können, setzen ein paar Clubbetreiber auf Crowdfunding, andere wieder starten kreative Aktionen, um im Gespräch zu bleiben. 

„Haben den September für eine Wiedereröffnung ins Auge gefasst“

Wie etwa das The Loft. Alle Mitarbeiter die über der Geringfügigkeitsgrenze angemeldet waren, sind aktuell in Kurzarbeit, alle anderen mussten aufgrund fehlender Möglichkeiten der Finanzierung abgemeldet werden. Der Wunsch wäre es, ab September einen halbwegs normalen Betrieb führen zu können und Unterstützung der Regierung, „um nicht mit einem allzu großen Schuldenberg starten zu müssen.“ Auf City4U-Anfrage wird erklärt: „Wir haben derzeit keine Einkünfte, trotzdem Ausgaben und da es noch keine Sicherheit gibt, wie und wann es wirklich weitergeht, ist es recht schwer, etwas zu planen. Wir haben den September für eine Wiedereröffnung ins Auge gefasst, aber das hängt natürlich von den Auflagen ab, ob wir es uns leisten werden können, einen normalen Betrieb zu führen. Wir versuchen trotzdem, im Team aktiv und kreativ zu bleiben und uns gegenseitig zu motivieren.“

So wurde etwa die Aktion #Loftliebe ins Leben gerufen. Dabei erhalten alle Personen, die auf kreative Art und Weise via Facebook oder Instagram ihre #Loftliebe gestehen, den dazugehörigen Beitrag (oder Story) mit dem Hashtag #Loftliebe versehen, die Möglichkeit, Gästelistenplätze zu gewinnen. In den Lostopf kommen zudem alle Bestellungen, die im neu gestarteten Online-Shop eingehen. Teilnahmeschluss ist der 25 August 2020.

Nachtgastronomie wird im Stich gelassen

Auch in der Innenstadt steht das Nachtleben still. Die Lugeck-Alm, bis vor einiger Zeit bekannt als Bettel-Alm am Lugeck, ist wie alle anderen Clubs der Stadt betroffen. „Natürlich geht die Gesundheit vor, aber so wie wir das jetzt aufnehmen, werden wir Nachtgastronomen komplett im Stich gelassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Nachtclubs überleben, bis ein Impfstoff gefunden wird“, erklärt Mario Obermaier im Gespräch mit City4U. 

„Erhoffen kann man sich natürlich viel, aber wenn ich mir wirklich etwas wünschen könnte, würde ich gerne einfach wieder aufsperren, um auch im Sinne unserer Gäste gemeinsam feiern zu können. Auch in meinem Umfeld in der Branche hat bis jetzt noch niemand brauchbare Informationen oder finanzielle Hilfe bekommen. Alles ist ein großes Fragezeichen. Natürlich würden wir bei einer Wiedereröffnung auch gerne wieder mit unserem Stammpersonal glänzen, aber keiner weiß, wie lange das Ganze noch dauern wird. Uns und unserem Personal wurde von heute auf morgen die komplette Lebensgrundlage weggerissen“, so Mario.

Aktuelle Situation ist eine Katastrophe

„Monat für Monat wird es immer schwerer. Wenn die Regierung keine Lockerungen möglich macht oder das alte Epidemiegesetz wieder in Kraft treten lässt, wird es wirklich hart“, bewertet Toni Juric vom Club Village die Situation. Die Mitarbeiter vom Club mussten alle gekündigt werden, weil es nicht anders möglich war. „Von unserem Restaurant Prestige konnten wir Kurzarbeit beantragen. Dafür habe ich aber hunderte Anträge ausgefüllt und Mails geschrieben“, ärgert er sich. Die Situation ist eine reine Katastrophe.

Verweigerung von Kredit: Schließung von Tunnel Vienna Live droht

Auch der Tunnel Vienna Live zeigt sich auf Facebook verzweifelt. „Wie viele Lokale und kulturelle Wiener Institutionen ist auch der Tunnel durch das Corona-Virus in existenzielle Schwierigkeiten geraten“, wird gepostet. Ihre Hausbank verweigere aber den Überbrückungskredit, weil die Tunnel Gastronomiebetriebs GmbH in der Bilanz ein negatives Eigenkapital ausweist. „Letztlich ist es im Jahr 2019 nun erfreulicherweise gelungen, dass die Tunnel Gastronomiebetriebs GmbH erstmals einen Gewinn erwirtschaftet hat und das bereits nach Berücksichtigung aller Abschreibungen. Und für die ersten beiden Monate 2020 konnte abermals eine Umsatzsteigerung erwirtschaftet werden“, wird aber sofort aufgeklärt. Trotz allem fühlt die Location sich mehr als im Stich gelassen und man bangt um die Existenz ohne gewährten Kredit.

April/Mai 2020

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Vanessa Licht
Vanessa Licht
Julia Ichner
Julia Ichner
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