20.04.2020 12:23 |

Forscher warnen

Zweite Infektionswelle: Rasches Erkennen schwierig

Der Corona-Trend zeigt in eine positive Richtung, auch die aktuellen Zahlen zu Wochenbeginn belegen das. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt weiterhin, während die Zahl der von Covid-19 genesenen Menschen steigt. Neue Berechnungen mit den österreichischen Covid-19-Simulationsmodellen zeigen nun, wie sich die Verbreitung bisher entwickelt hat. Dabei zeigte sich allerdings auch: Eine zweite Infektionswelle rasch zu erkennen, ist schwer.

Forscher hatten anhand der etwa durch neue Erkenntnisse zur Dunkelziffer ergänzten Daten nun einige Wochen zurückgeschaut, heißt es am Montag in einer Aussendung der TU Wien. Die Experten legten den Fokus dabei besonders auf die zeitversetzt einsetzenden verschiedenen Phasen der Erkrankung - von der Inkubationszeit über die Zeitspanne mit ersten Symptomen, die Testung mit positivem Ausgang mit Heimquarantäne bis zum etwaigen Krankenhausaufenthalt mit oder ohne Intensivbetreuung.

Auch wurden Schätzungen und vorhandene Daten zu Personen berücksichtigt, die nie auf SARS-CoV-2 getestet wurden, weil sie einen weitgehend symptomfreien, asymptomatischen Verlauf zeigten, Menschen aber trotzdem anstecken können. Dabei gingen sie davon aus, dass rund die Hälfte der tatsächlichen Träger in diese Gruppe fällt.

Tatsächlicher „Peak“ der Krankheitszahlen schon zwei Wochen früher
Unter dieser Annahme kamen große Unterschiede zutage. Während nämlich die Anzahl der bestätigten Covid-19-Fälle in Österreich bekanntlich Anfang April ihren Höhepunkt erreichte, war es den Experten zufolge bei den asymptomatischen Verläufen schon deutlich früher so weit: In dem Modell wurde in dieser Gruppe der Peak bereits um den 21. März erreicht. Die Simulationen würden also zeigen, „dass wir den Höhepunkt der Krankheitszahlen der vergangenen Welle schon länger hinter uns haben, als die offiziellen Zahlen zeigen“, so Simulationsexperte Niki Popper.

So entspricht die abgebildete dunkelblaue Epidemiekurve den positiv getesteten Fallzahlen. Rot bildet Patienten im Krankenhaus, Dunkelrot jene in intensivmedizinischer Behandlung ab. Der tatsächliche Epidemieverlauf sei „jedoch stark durch die Dunkelziffer geprägt“, wird erklärt. So zeige die gelbe Kurve Personen an, die nie getestet wurden, weil sie weitgehend symptomfrei waren. Hellblau zeigt bereits infizierte Personen an, die noch keine Symptome aufweisen, Mittelblau jene Menschen, die Symptome haben, aber noch nicht getestet wurden. Ersichtlich wird, dass der tatsächliche Peak also etwa zwei Wochen vor dem Höhepunkt der positiv Getesteten stattfand.

Anstieg der Infektionszahl erst verspätet in Tests zu bemerken
Umgelegt auf die Zukunft „mahnt uns das allerdings auch zur Vorsicht. Sollte aufgrund der Lockerung von Maßnahmen die Zahl der Infektionen wieder ansteigen, wird es nämlich wieder genau dieselbe Zeitverzögerung geben. Das heißt, wir können den Anstieg in den Tests erst dann bemerken, wenn die wahre Zahl der Infektionen in der Bevölkerung bereits deutlich angestiegen ist“, sagte Popper. Er mahnte deshalb zur Vorsicht bei der Einführung einer vielfach als „neue Normalität“ bezeichneten Situation mit weniger Beschränkungen.

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