20.04.2020 06:00 |

Album „Hermitage“

Ron Sexsmith: Vom Trauerkloß zum Lebenskünstler

Frohe Lieder waren seine Sache bisher eher nicht. Doch jetzt, mit 56, scheint der kanadische Songwriter Ron Sexsmith neue Lebensfreude zu spüren. Sein schönes Album „Hermitage“ spricht klar dafür. Für einen Musiker, der wegen seiner melancholischen Melodien und Texte als Trauerkloß gilt, wirkt Sexsmith auf den Bildern zum neuen Album bemerkenswert aufgekratzt.

Wie er da mit rosa Federboa um den Hals im Garten herumschäkert und einen Handrasenmäher bedient - die bisher so typische Wehmut dieses Singer/Songwriters ist wie weggefegt. Und auch in den 14 Liedern von „Hermitage“ zeigt sich eine Leichtigkeit, die dem konstant überragenden Werk des Kanadiers früher oft fehlte.

Nahe an McCartney
Schon der erste Song „Spring Of The Following Year“ beginnt mit Vogelgezwitscher und entfaltet eine liebliche, fast naive Harmonie, wie sie ansonsten wohl nur Paul McCartney zustande brächte - an einem sehr guten Tag wohlgemerkt. Bei „Chateau Mermaid“ klimpert im Hintergrund eine Art Spinett herum. Und „Lo And Behold“ dürfte zu den vergnügtesten Liedern gehören, die der vor fast 30 Jahren als bescheidener Folksänger gestartete Sexsmith je geschrieben hat.

So geht es im Wortsinne munter weiter - wobei die Songs dieses extrem sorgfältigen Komponisten bei aller Zugänglichkeit und Zuversicht nie leichtgewichtig oder billig werden. Der inzwischen 56 Jahre alte Stilist wird nicht umsonst längst zu den Besten seiner Zunft gezählt - Vergleiche mit McCartney, Elvis Costello, Harry Nilsson oder Ray Davies ist er gewohnt, Sexsmith-Alben wie „Cobblestone Runway“ (2002) oder „Retriever“ (2004) gehören zu den stärksten Songwriter-Werken der Nuller-Dekade.

Endlich passt es
Auch der Gesang des einst so schüchternen Mannes, für manche Hörer eine gewisse Herausforderung, klingt auf „Hermitage“ intonationssicher wie selten zuvor. Ron Sexsmith, der seit einigen Jahren zum zweiten Mal und offenkundig glücklich verheiratet ist, scheint zum Lebenskünstler geworden zu sein. Ja, wer ein Lied wie das grandiose „Morning Town“ schreiben kann, dem muss es sehr gut gehen.

 krone.at
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