Freiwillige Arbeit

In Corona-Krise: Junge Leute helfen alten Menschen

Zu den wenigen Berufsgruppen, die nicht von den Coronavirus-Einschränkungen betroffen sind, zählen auch jene jungen Menschen, die gerade ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Astrid Grafeneder, Kisha-Isabel Camarena-Flores und Lena Fichtinger tun dies im Kolpinghaus „Gemeinsam Leben“ in der Leopoldstadt. City4U hat mit ihnen und den dort lebenden Senioren über Arbeit und Leben in Zeiten von Corona gesprochen.

Menschen ab 65 Jahren sowie jene mit Vorerkrankungen zählen zu der Risikogruppe Covid-19 betreffend. Im Kolpinghaus im 2. Bezirk leben genau jene Personen. Von den derzeitigen Ausgangs- und Besuchsbeschränkungen sind die dortigen Bewohner daher besonders betroffen. „Es ist sehr, sehr hart, dass wir zur Zeit keinen Besuch empfangen dürfen“, erzählt Eleonora Houdek. Die 81-Jährige lebt seit knapp drei Jahren hier. 

Damit die betagten Bewohner des Kolpinghauses sozialen Kontakt jedoch nicht nur über das Telefon wahren können, sondern auch von Angesicht zu Angesicht, sind Astrid Grafeneder, Kisha-Isabel Camarena-Flores und Lena Fichtinger, die im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres ihren Dienst dort versehen, unerlässlich. Die drei Frauen haben sich nach dem Schulabschluss dazu entschieden, sich vor dem Studium sozial zu engagieren. Beim Freiwilligen Sozialen Jahr kann man dies in der Kinder- oder Altenbetreuung tun, ebenso in der Flüchtlings- oder Obdachlosenhilfe. „Ich wollte nach der Schule etwas Zeit, um zu reflektieren, was ich im Leben machen möchte. Da ich schon immer im sozialen Bereich arbeiten wollte, war das eine gute Möglichkeit. Schon nach wenigen Monaten der Arbeit mit den Senioren, war ich sehr viel glücklicher. Ich bin sehr froh über meine Entscheidung“, berichtet Kisha-Isabel Camarena-Flores.

Die 17-Jährige begann mit ihren beiden 18-jährigen Kolleginnen die Arbeit mit den Senioren im Oktober vergangenen Jahres. Eine Tätigkeit, die beide Seiten glücklich macht, wie Walter Sit, Bewohner des Kolpinghauses, bestätigt: „Ich bin sehr froh, dass sie da sind. Sie sind Hilfe und Ablenkung zugleich.“ Zu den Aufgaben der drei in dieser schwierigen Zeit zählt die Betreuung von den Senioren, die nicht vom Pflegepersonal ausgeführt wird: Wie unter anderem mit den Bewohnern sprechen, Spiele spielen und Einkäufe erledigen. Das ist im Moment wichtiger denn je, da das gesamte Freizeitprogramm zum Schutz der Senioren gestrichen wurde. „Es ist sehr schade, dass es im Moment keine Veranstaltungen gibt. Ich freue mich schon sehr, wenn Yoga, Gedächtnisübungen und vor allem die Musikgruppen wieder starten“, so Eleonora Houdek.

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„Schön, dass die Freiwilligen trotz Corona noch da sind. Das freut uns alle sehr.“

Eleonora Houdek

Gerade jetzt sind Astrid, Kisha-Isabel und Lena gefordert. „Man merkt, dass die Senioren jetzt ein größeres Redebedürfnis haben und viel mehr Kontakt von unserer Seite gebraucht wird“, erläutert Lena Fichtinger. Um die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten, vermeiden die drei auch privat jegliche sozialen Kontakte außerhalb der eigenen Wohnung. „Ich fahre nur in die Arbeit und wieder nach Hause“, betont 18-Jährige.

Angst, dass sie die Bewohner infizieren könnten, hat Astrid Grafeneder nur bedingt: „Wir haben nun eigene Arbeitskleidung, waschen und desinfizieren unsere Hände und halten den nötigen Abstand. Auch die Bewohner dürfen unter den Wohnbereichen, also den Stockwerken, in denen sie wohnen, nicht mehr vermischt werden.“

Sorgen macht sich Kisha-Isabel jedoch schon: „Ich denke, das ist auch ganz normal. Immerhin hat man die Bewohner nach dieser Zeit schon sehr ins Herz geschlossen. Dann macht man sich natürlich noch mehr Sorgen.“ Eleonora Houdek und Walter Sit haben jedoch keine Angst vor dem Coronavirus. Ihnen machen derzeit die Einschränkungen mehr zu schaffen: „Für mich ist es sehr hart, dass ich nicht rausgehen darf. Ich würde sehr gern spazieren gehen“, so der 72-Jährige. Für Eleonora Houdek wiederum wird die fehlende Friseurin schön langsam zum Problem, aber: „Man muss die Dinge akzeptieren, sowie sie sind, sonst geht man unter. Nur jammern, das geht nicht.“

Die drei FSJ-Mitarbeiterinnen sind froh, dass sie noch arbeiten dürfen in dieser Krisenzeit. „Es fällt den meisten Bewohnern wirklich sehr schwer, keine Besucher empfangen zu dürfen. Dass wir uns noch um sie kümmern können, um sie ein bisschen glücklicher zu machen, tut uns allen gut.“
Dass die Corona-Krise bald vorbei ist, wünschen sich alle im Kolpinghaus. Die Mitarbeiter sowie die Bewohner. Ansonsten sind die Wünsche von Eleonora Houdeks und Walter Sit bescheiden. „Noch ein paar Jahre auf Erden mit meinem Ehemann und vielleicht geht sich noch ein Urenkerl aus“, hofft die 81-Jährige. Auf eine Zeit, in der er wieder ein selbstständigeres Leben führen kann als jetzt, wartet Walter Sit, obwohl er sich auch in diesen Tagen im Kolpinghaus gut aufgehoben fühlt. „Mein Herz ist zwar schwer, aber die drei (FSJ-Mitarbeiterinnen, Anm.) sind alle da drin. Für die wird immer Platz sein.“

April 2020

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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