Mit einem starken Finish verwies der 20-jährige Lemaitre in 20,37 Sekunden den Briten Christian Malcolm hauchdünn auf den Silberrang (20,38), Martial Mbandjock (FRA) gewann wie auf der kürzeren Sprintstrecke Bronze (20,42). "Es war wirklich schwierig, weil ich technisch nicht gut war. Ich habe bis zum Ende gekämpft und alles gegeben", erzählte Lemaitre, der erst einmal "den Moment genießen" wollte. Es ist das siebente Sprint-Double in der EM-Geschichte seit 1934, Lemaitre wird auch mit der Staffel am Sonntag antreten.
Bis zum letzten Bewerb des Tages auf ihre erste Goldmedaille warten mussten die Spanier, vor 36.000 Zuschauern triumphierte über 1.500 Meter Arturo Casado in 3:42,74 Minuten vor dem Deutschen Carsten Schlangen (3:43,52) und seinem Landsmann Manuel Olmedo (3:43,54). Für den 21-jährigen Österreicher Andres Vojta war das Rennen ein unglaubliches Erlebnis, im Schlusssprint überholte er sogar noch einen Konkurrenten. "Die Stimmung war ein Wahnsinn. Drei Spanier hatten die Chance auf den ersten Titel für ihr Land bei der Heim-EM. Als man ins Stadion reinkam war es es so, wie es damals bei den Gladiatoren gewesen sein muss", zeigte sich Vojta beeindruckt.
Das Motto lautete "Voller Angriff"
Das Motto des Athleten mit der mit Abstand schwächsten Entryzeit war voller Angriff gewesen, schon die Finalqualifikation war eine Riesenüberraschung gewesen, dass er im Endlauf in 3:45,68 nicht Letzter wurde, war das "Tüpfelchen auf dem I". "Ich hatte nichts zu verlieren, ich bin das Tempo mitgegangen, ich habe versucht, so lange wie möglich dranzubleiben. Als der Kick gekommen ist, merkte man, wie es in der europäischen Spitze aussieht, das fehlt mir noch ein Alzerl." Platz 11 ist die zweitbeste Platzierung eines Österreichers bisher in Barcelona nach Rang neun durch 100-Meter-Sprinter Ryan Moseley.
Einen britischen Sieg gab es im 110-Meter-Hürdensprint der Männer durch Andy Turner (13,28), doch auch in dieser Disziplin holte Frankreich dank des zweitplatzierten Garfield Darien eine Medaille (13,34). Die Deutschen stockten ihr Medaillenkontingent ebenfalls weiter auf, Betty Heidler gewann den Hammerwurf mit 76,38 Metern vor der Russin Tatjana Lysenko (75,65). Im Stabhochsprung holten in Abwesenheit von Jelena Isinbajewa, die eine Auszeit nimmt, hinter der Russin Swetlana Feofanowa (4,75) Silke Spiegelburg und Lisa Ryzih (je 4,65) Silber und Bronze.
400 Meter der Männer mit Sensationssieger
Einen sensationellen Ausgang brachte das 400-Meter-Rennen der Männer. Nicht der favorisierte Belgier Jonathan Borlee, sondern sein jüngerer und vermeintlich schwächerer Zwillingsbruder Kevin Borlee machte das Rennen vor zwei Briten. Jonathan Borlee ging als Siebenter sogar leer aus.
Nach 50 Kilometer Gehen war die russische Siegesserie in dieser Disziplin bei Großereignissen beendet, ebenfalls dank dem starkem Team der "Bleus". Yohann Diniz verteidigte in der Jahresweltbestzeit von 3:40:37 Stunden seinen Titel vor dem Polen Grzegorz Sudol (3:42:24). Doch Russland schlug zurück, über 400 Meter flach gab es einen Dreifachsieg, den Tatjana Firowa (49,89 Sekunden) angeführte, über die Hürden-Stadionrunde durch die favorisierte Natalja Antjuch (52,92) und über 800 Meter durch Marija Sawinowa (1:58,22).
Zuschauer schrien sich die Seele aus dem Leib
Während des 3.000-Meter-Hindernisrennens schrien sich die spanischen Zuschauer die Seele aus dem Leib, um Lokalmatadorin und Favoritin Marta Dominguez zum Titel zu verhelfen, doch auch hier war mit Julija Sarudnewa eine Russin unbesiegbar. "Mental war das hart, das ganze Stadion war für Dominguez, das hat mich zornig gemacht. Ich dachte mir, es wäre großartig, die Weltmeisterin daheim zu besiegen, also habe ich mich entschieden, gleich die Führung zu übernehmen. Aber ich konnte wegen des Publikums Martas Atem nicht spüren", schilderte Sarudnewa.
Dominguez gewann 2002 in München und 2006 in Göteborg Gold über 5.000 Meter, sie war die einzige Frau in Barcelona, die Chance auf das dritte EM-Gold in Folge gehabt hätte. Silber bedeutet aber ihre vierte Medaille bei Kontinentaltitelkämpfen en suite.
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