Lukrativer Abgang

BP-Chef Tony Hayward dankt im Oktober ab

Ausland
27.07.2010 08:40
Der britische Energiekonzern BP hat den Rücktritt seines Vorstandschefs Tony Hayward nach tagelangen Spekulationen nun offiziell gemacht. Hayward wird jedoch erst Anfang Oktober zurücktreten - und der Abgang dürfte für ihn recht lukrativ sein: Hayward wird "nicht geschäftsführender Direktor" beim russisch-britischen Joint-Venture TNK-BP. Sein Abgang soll ihm außerdem mit einer 12 Millionen Euro schweren Abfindung versüßt werden. Haywards Nachfolger wird wie erwartet der Amerikaner Robert Dudley.

Der BP-Aufsichtsrat hat den 54-jährigen Dudley bereits als Nachfolger Haywards bestätigt. Dudley ist im Vorstand seit einigen Wochen für die Aufarbeitung der Ölpest zuständig, nachdem Hayward für sein Krisenmanagement heftig kritisiert worden war. Bekannt wurde der Amerikaner vor allem als Chef von TNK-BP, in dessen Direktorium Hayward nun wechseln bzw. seinen "Versorgungsjob" antreten soll. 

Dudleys Aufgaben sind es nun, den durch destaströse PR beschädigten Ruf des Konzerns zu reparieren und eine drohende Übernahme zu verhindern. Beobachter hoffen, dass Dudley als Amerikaner auch die Wogen mit der Regierung in Washington glätten kann. Seit der Explosion der von BP betriebenen Ölbohrinsel Deepwater Horizon am 20. April mit elf Toten wurde dem Konzern vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen die Ölpest vorzugehen. 

"Meistgehasster Mann Amerikas"
Hayward scheiterte in seiner Rolle als Chefaufräumer und Problemlöser und wurde binnen kurzer Zeit zum "meistgehassten Mann Amerikas". Nicht zuletzt zog er sich mit verbalen Ausrutschern ("Ich will ja auch mein Leben zurück!") und PR-Fehltritten, wie der Teilnahme an einem Segelwettrennen (siehe Infobox) inmitten der Ölpest, den Zorn der US-Bevölkerung zu. Peinlich war auch der Auftritt Haywards in einer Anhörung des US-Kongresses am 17. Juni: Auf Fragen von Abgeordneten antwortete er immer wieder mit Sätzen wie "Darüber weiß ich nichts", "Ich bin kein Ingenieur", "Ich war nicht an dem Entscheidungsprozess beteiligt". Einen Tag später entband Verwaltungsratschef Carl-Henric Svanberg den Vorstandsvorsitzenden vom täglichen Krisenmanagement. 

Den geltenden Verträgen zufolge bekommt Hayward neben der fürstlichen Abfertigung, die laut der britischen Zeitung "Guardian" 12 Millionen Euro beträgt und auf Haywards Pensionskonto eingezahlt wird, noch ein Jahresgehalt von rund 1,2 Mio. Euro. Der 53-Jährige hat sein halbes Leben, 28 Jahre, bei BP verbracht. Hayward ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

17 Milliarden Dollar Verlust im zweiten Quartal 2010
Der durch die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko schwer angeschlagene Konzern hat am Dienstag außerdem seine Geschäftszahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Erstmals seit 1992 wird dabei ein Verlust verzeichnet. Wegen der Kosten für die Ölpest im Golf von Mexiko verbuchte der Londoner Konzern in seiner Bilanz für April bis Juni einen Verlust von 17,1 Milliarden Dollar (13,2 Mrd. Euro). Darin enthalten sind aber bereits 32,2 Milliarden Dollar für die drohenden Verbindlichkeiten der Ölpest. Im ersten Quartal verbuchte der Konzern noch 6,1 Milliarden Dollar Gewinn.

Im dritten Quartal könnten weitere Verbindlichkeiten hinzukommen, weil BP im abgelaufenen Quartal nicht alle erwarteten Kosten berücksichtigte. "Das Ausmaß und die Zeitspanne für mögliche Verpflichtungen in Bezug auf die Ölpest sind einem sehr hohen Grad an Unsicherheit ausgesetzt", heißt es im Quartalsbericht.

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