26.07.2010 14:48 |

Exklusiv-Interview

Alpin-Chef Hans Pum hofft auf bessere Zeiten

Das Burgenland als Wintersport-Hochburg? Was zunächst klingt wie ein misslungener Kalauer eines seichten Komödianten, erfuhr vor Kurzem durch das Sommertrainingslager der ÖSV-Speed-Girls in der St. Martins Therme einen Hauch von Wahrheit. Zehn Tage lang strampelten und schwitzten sich Görgl, Fischbacher und Co. unter der pannonischen Sonne fit für die nächste Weltcup-Saison. Alpin-Chef Hans Pum, der sich im krone.at-Talk als Burgenland-Liebhaber outet, hofft, dass die neue Saison erfolgreicher wird als die abgelaufene.

krone.at: Herr Pum, ist das Trainingslager der Speed-Damen im Burgenland so verlaufen, wie Sie es sich vorgestellt haben? Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?
Pum: Ich bin ja schon lange ein Burgenland-Fan, habe schon sehr oft Urlaub mit der Familie hier gemacht. Und von der neuen St. Martins Therme in Frauenkirchen bin ich sowieso außerordentlich begeistert.

krone.at: Heuer stehen Weltmeisterschaften in Garmisch an. Spielt das in der Vorbereitung auf die neue Saison eine Rolle?
Pum: Nein. Wir haben ja ohnehin fast in jeder Saison ein Großereignis. Und außerdem ist für uns jedes Weltcup-Rennen ein wichtiges Ereignis.

krone.at: Die Speed-Disziplinen haben bei den Damen in der abgelaufenen Saison bis zu Olympia als Problemkinder gegolten. Können durch das unerwartet erfolgreiche Abschneiden bei den Olympischen Spielen (Gold im Super-G durch Fischbacher, Bronze in der Abfahrt durch Görgl, Anm.) nicht Schwächen überdeckt werden?
Pum: Das glaube ich überhaupt nicht. Da wurde nichts überdeckt, weil wir die Schwächen ja auch schon vor Olympia gesehen haben. Die Herren haben kein Weltcup-Rennen gewonnen, die Damen haben keinen Disziplinen-Weltcup geholt, auch in der Abfahrt keine guten Ergebnisse erreicht. Aber - ohne Ausreden suchen zu wollen - man muss die Saison schon aus einem anderen Blickwinkel betrachten und sich vor Augen halten, wer wirklich fit war, wer vor der Saison abgesprungen ist...

krone.at: Sie spielen auf das Karriereende von Renate Götschl an?
Pum: Ja. Dass die Speed-Queen kurz vor der Saison ihren Rücktritt erklärt hat, war für uns sehr schade. Gerade bei dieser jungen Mannschaft wär's wichtig gewesen, dass sie sich an einer erfahrenen Läuferin orientieren hätten können.

krone.at: Auch Maria Holaus, die mittlerweile ihre Karriere ebenfalls beendet hat, ist verletzungsbedingt ausgefallen.
Pum: Auch das war sehr schade. Aber: Die Damen waren in den Trainings, gerade in der Abfahrt, immer sehr stark. Nur im Rennen konnten sie dann leider die Erwartungen nicht erfüllen. Auch weil der Druck auf diese junge Mannschaft enorm war.

krone.at: Dürfen wir die Hoffnung haben, dass die Speed-Mannschaft in der kommenden Saison breiter aufgestellt ist, oder lastet der Druck wieder ausschließlich auf Fischbacher und Görgl?
Pum: Die beiden sind sicher unsere stärksten Läuferinnen, keine Frage. Elisabeth Görgl und Andrea Fischbacher sind die Aushängeschilder - sie müssen versuchen, die jungen Läuferinnen mitzureißen.

krone.at: Dennoch wird gerade bei den Speed-Disziplinen der Weg zu den Kristallkugeln auch heuer wieder nur über Lindsey Vonn führen - oder sehen Sie das anders?
Pum: Nein, genau so sehe ich das. Lindsey ist die große Favoriten. Aber ich hoffe, dass alle unsere Läuferinnen fit bleiben und die gesamte Vorbereitung mitmachen können. Denn dann werden auch sie zeigen, was sie können.

krone.at: Haben Vorfälle wie bei Matthias Lanzinger oder Silvano Beltrametti Eltern nicht auch davor zurückschrecken lassen, ihre Kinder auf Abfahrtsskier zu stellen?
Pum: Das ist bei manchen Eltern sicherlich der Fall. Aber deswegen achten wir im ÖSV sehr auf einen methodischen Aufbau und versuchen, dass die Athleten langsam an die Geschwindigkeit herangeführt werden. Deswegen ist es wichtig, dass schon in jungen Jahren Speed-Elemente eingebaut werden.

krone.at: Es muss einem also nicht angst und bang um den österreichischen Ski-Nachwuchs sein?
Pum: Die Konkurrenz aus anderen Sportarten ist natürlich groß. Aber wir versuchen alles, um möglichst viele junge Läufer an die ÖSV-Spitze heranzubekommen.

von Michael Fally, bgld.krone.at

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