17.03.2020 15:53 |

Kritik und Probleme

Grenzschließungen ärgern Salzburger Pendler

Mit Anlaufschwierigkeiten haben sich nun unsere deutschen Nachbarn abgeriegelt. Stand der Dinge sind alle Grenzübergänge geschlossen bzw. nur für Fußgänger geöffnet. Kontrolliert wird der Verkehr an den größeren: am Walserberg in Wals-Siezenheim, am Steinpass in Unken und bei der Salzachbrücke in Salzburg. Dort werde jeder Lenker kontrolliert. Dies hatte bei einigen Salzburgern, vor allem Pendlern, für Ärger gesorgt, die nicht mehr zum Job bzw. nach Hause kamen und weit umfahren mussten. Davon betroffen war auch Spitalspersonal: 300 Mitarbeiter der Salzburger Landeskliniken. Kritik äußert der Bürgermeister einer Grenzgemeinde. Derzeit ist das Kleine Deutsche Eck nicht durchfahrbar: Allen Pinzgauern wird geraten, über den Pongau und die A10 weit auszuweichen.

Elf Grenzübergänge gibt es zwischen Bayern und Salzburg: An kleineren, wie jenem in Großgmain, steht jetzt ein Sperrgitter, zwei Beamte kontrollieren. Noch am Montag war die kleine Grenzbrücke, die den Salzburger Teil mit Bayrisch Gmain trennt, offen und verwaist. Andernorts bildete sich Stau, es gab Wartezeiten. Und Missmut, wie in Oberndorf. Dort habe man mittlerweile die anfangs strikte Sperre der pompösen Grenzbrücke gelockert: Für Fußgänger sei der Steg offen, das Sperrgitter wurde nach einem Tag vorerst entfernt. „Um zu sehen, ob es auch ohne eine visuelle Sperre geht“, heißt es von den Behörden. Pendler dürften zumindest dort nun pendeln.

„Schlechte Kommunikation“ bei den Nachbarn

Das ist nicht überall so: Pinzgauer, die nun über das kleine Deutsche Eck zu ihrer Arbeitsstelle nach Salzburg wollten, durften zuerst durch, aber dann nicht mehr heim. Dies betraf auch Spitalspersonal. Ein weites Umfahren über die A10 war die Folge. Offenbar sei die Kommunikation unter den deutschen Behörden mangelhaft, moniert der Unkener Bürgermeister Florian Juritsch eine „sehr eigenartige“ Vorgangsweise: „Bayrische Grenzbeamte haben Pendler noch durchgelassen, um zu ihren Arbeitsstätten nach Salzburg zu kommen. Bundesbeamte am Walserberg haben die Pendler dann aber abgewiesen“. Solche Missverständnisse schüren Unsicherheiten und Ängste, vor allem in der Transport-Branche. Juritsch betont jedenfalls die Wichtigkeit des kleinen Deutsche Ecks als „wichtige Versorgungsroute“ für den Mitterpinzgau.

Transitverkehr als ungelöstes Problem

„Im Moment erwarte ich mir von der Grenzpolizei eine gewisse Sensibilität hinsichtlich der Pendler, die dringend benötigt werden, genauso wie bei Waren-Transporte“, fordert Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP). Der dortige Transit-Verkehr sei ein Problem: de facto bräuchte es eine eigene Ausnahme für das Durchfahren. Man stehe in Verhandlungen, heißt es vom Land. Pinzgauer Betroffenen wird aber eher geraten, über den Pongau und die A10 auszuweichen. Alle Pendler sollen aber jedenfalls eine Arbeitsbestätigung mitführen. Denn: Deutsche Beamte können im EInzelfall die Einreise verweigern. Die Salzburger Landeskliniken (SALK) kündigten bereits an: „Alle 300 betroffenen Grenzgänger bekommen jetzt eine Arbeitsbestätigung“. Dieser de facto Stopp des Transit-Verkehrs ist jedenfalls „untragbar“ und „nicht akzeptabel“, äußert sich Bürgermeister Juritsch kritisch.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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