22.07.2010 10:40 |

Darabos winkt ab

Wehrpflicht für Frauen "aktuell kein Thema"

Eine Wehrpflicht für Frauen in Österreich ist für Verteidigungsminister Norbert Darabos "aktuell kein Thema". Man komme mit den männlichen Wehrpflichtigen vollends aus und habe nicht vor, etwas daran zu ändern, erklärte Darabos am Donnerstag. Wenn Frauen irgendwann den Männern voll gleichgestellt seien, etwa bei den Löhnen, könne man über eine Wehrpflicht für Frauen nachdenken - allerdings langfristig.

Auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat sich nicht dezidiert gegen einen verpflichtenden Wehrdienst für Frauen ausgesprochen. Allerdings sei dies für sie "kein Thema, solange Frauen in wesentlichen Lebensbereichen immer noch benachteiligt sind". Langfristig könne man "im Sinne der Gleichstellung" darüber reden, so die Ministerin. Zuvor gelte es aber, die Lohnschere zu schließen und die unbezahlte Arbeit gerecht zu verteilen, zumal auch der aktuelle Frauenbericht gezeigt habe, dass Österreich von echter Gleichberechtigung noch weit entfernt sei.

Bundespräsident Heinz Fischer hat am Donnerstag gemeint, die Wehrpflicht für Frauen sei "längerfristig" denkbar. Er verwies auf den Abbau von in der Vergangenheit geschaffenen Ungleichbehandlungen zwischen Männern und Frauen, wobei er konkret die Angleichung des Pensionsantrittsalters bis 2035 ins Treffen geführt hat.

Wehrpflicht für Frauen als weltweit exotisches Konzept
Die Wehrpflicht für Frauen ist ein im internationalen Vergleich einigermaßen exotisches Konzept, das nur von einer Handvoll Länder eingesetzt wird. Als einzige westliche Demokratie zieht Israel Frauen ein. Weitere Länder sind laut CIA-Statistik etwa Kuba, die Elfenbeinküste, Eritrea oder der Tschad.

In Israel, das sich seit seiner Gründung im Jahr 1948 in Kriegszustand befindet, müssen Jüdinnen und Drusinnen für 21 Monate einrücken. Männer sind zu drei Jahren verpflichtet. Immer häufiger machen die jungen Frauen indes religiöse Gründe geltend, um dieser Verpflichtung zu entgehen - so häufig, dass die Armee 2009 dazu überging, Detektive auszuschicken, die die angeblich Strenggläubigen bei weltlichen Vergnügungen wie Rauchen, Trinken oder Schmusen ertappen sollen.

Kuba setzt auf einen zweijährigen Wehrdienst für beide Geschlechter, in Eritrea werden Männer und Frauen für 16 Monate eingezogen. Für den Sudan (ein bis zwei Jahre) und für den Tschad (ein Jahr für Frauen) wird ebenso verpflichtender Dienst an der Waffe ausgewiesen wie für die Elfenbeinküste. In Mosambik müssen sich Frauen ebenso wie Männer für den Militärdienst registrieren lassen.

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