22.07.2010 11:55 |

Haupttäter in Haft

Zweiter "Dalton"-Räuber in Italien festgenommen

Knapp zwei Jahre lang haben sie die Polizei genarrt und Coup um Coup begangen – jetzt ist allerdings auch der zweite "Dalton"-Bankräuber festgenommen worden. Am Mittwoch klappte der Zugriff von Carabinieri in der Nähe von Mailand, wo er nach umfangreichen Ermittlungen aufgespürt worden war. "Wir haben die beiden Haupttäter der Bande", freute sich Oberstleutnant Robert Klug vom Landeskriminalamt.

Nach umfangreichen Ermittlungen haben Carabinieri den 55-jährigen Santiago Alfredo S. in seinem Haus nahe der lombardischen Stadt Padua verhaftet, er soll nun nach Wien ausgeliefert werden. Die Festnahme erfolgte dank der engen Zusammenarbeit mit der österreichischen Polizei.

Am Grundstück des Beschuldigten wurde der Polizei zufolge ein präparierter Kleinlastwagen sichergestellt, der von den Tätern offensichtlich als Versteck und als Fluchtwagen benutzt wurde. Im Fahrzeug, das im Laderaum mit Dämmmatten versehen war und abgedunkelte Scheiben hatte, fanden sich diverse Utensilien, die auf die kriminelle Aktivitäten hinwiesen. S. zeigte sich unmittelbar nach seiner Festnahme teilgeständig.

Für die Überfälle extra nach Österreich gereist

Der 55-jährige Argentinier, der für die Überfälle extra nach Österreich gereist war, soll an der Spitze der kriminellen Bande stehen, die 2009 mit neun Banküberfällen in Wien und Oberösterreich 1,2 Millionen Euro erbeutet hatte. Die Bande wird wegen der Größe ihrer Mitglieder, ihres Auftretens und ihrer Maskierung mit falschen Bärten und Schlapphüten in Anlehnung an die "Lucky Luke"-Banditen "Daltons" genannt.

Erster "Dalton" im September verhaftet

Der erste "Dalton", "Joe", war der österreichischen Polizei im September 2009 ins Netz gegangen. Er war am 22. September nach einer Nachbehandlung im Zusammenhang mit einer mit gefälschter Identität erschlichenen Nierentransplantation im Wiener AKH verhaftet worden (siehe Infobox).

In Einvernahmen gab der 38-Jährige zu, dass die Banken zwei bis drei Tage vorher zu verschiedenen Zeiten observiert wurden, beschrieb Oberstleutnant Klug damals bei einer Pressekonferenz die Vorgehensweise der "Daltons". Dabei habe man sich auf die Öffnungszeiten konzentriert und beobachtet, wer beim Auf- und Zusperren ein- und ausgehe. Genau auf diese Zeitpunkte fielen die Überfälle.

Auf die Spur von "Joe" war die Polizei durch zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung gekommen. Bei vier Hausdurchsuchungen in Wohnungen seiner Familie stellte die Polizei unter anderem einen serbischen Nachbau einer Tokarev-Pistole (neun Millimeter), eine schwarze Woll-Maske, Patronen, Handschuhe sowie Sonnenbrillen sicher. Den Großteil der Verkleidungsutensilien entsorgte die Bande unmittelbar nach den Überfällen im Müll.

Acht Überfälle in zwei Jahren in Wien und Wels

Die Bande hatte über zwei Jahre in Österreich ihr Unwesen getrieben. Drei Coups fanden im Winter 2007, zwei im Frühjahr sowie im Dezember 2008 statt. Im Jahr 2009 schlug die Bande zwischen April und Juni dreimal zu, dazu kommt der Coup in Oberösterreich. Bis auf ein Postamt in Wels hatten es die Täter stets auf Wiener Banken in verschiedenen Bezirken abgesehen.

Bei der Bande handelte es sich um professionelle Täter, die bewusst nicht viel voneinander wussten, um bei Festnahmen nichts übereinander preisgeben zu können.

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