Ritzen, Sex, Gewalt

TikTok nicht so ungefährlich wie behauptet

TikTok präsentiert sich gerne als harmlose App für junge Teenager ab 13 Jahren. Hier werden Tiervideos geteilt, es wird unschuldig zu den angesagtesten Songs getanzt und den Lieblingspromis gefolgt. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Kinder, die deutlich unter 13 Jahren sind und Videos von ihren Selbstverletzungen posten, junge Mädchen die lasziv tanzen und dabei explizite Texte singen sowie Buben, die mit ihren Messern prahlen.

TikTok gehört zu den erfolgreichsten Apps weltweit und ist vor allem bei der jüngeren Zielgruppe unter 24 Jahren äußerst beliebt. 800 Millionen aktive Nutzer verzeichnet das soziale Video-Netzwerk im Monat. Challenges, die auf TikTok veröffentlicht werden, verbreiten sich in windeseile. 35 Prozent aller Nutzer nehmen an Hashtag Challenges teil. Bei den Mädchen kommt TikTok noch besser an, als bei den Burschen: 60 Prozent der User sind weiblich, 40 Prozent männlich.

Keine Alterskontrolle

Obwohl TikTok laut Nutzungsbedingungen eine App für Nutzer ab 13 Jahren ist, wird beim Anschauen der Videos gleich klar, dass ein Großteil noch nicht im Teenageralter ist. „Wenn ein Nutzer bei der Anmeldung angibt, dass er jünger als 13 Jahre alt ist, kann sie oder er kein Konto eröffnen und das Gerät wird geblockt“, betont eine Unternehmenssprecherin auf City4U-Anfrage. Leider wird jedoch in keiner Form kontrolliert, ob das angegebene Alter auch tatsächlich stimmt. So kann also ein 9-jähriges Kind einfach ein anderes Geburtsdatum eingeben und gleich ein Profil erstellen. Die meisten Eltern wissen weder, dass sich ihr Kind auf TikTok herumtreibt, noch welcher problematische Inhalt hier verbreitet wird. Um das zu ändern, hat TikTok vor kurzem den „Begleiteter Modus“ für Eltern eingeführt.

Triebtäter im Netz

Was auf den Profilen dann zu finden ist, ist teilweise wirklich erschreckend. So hat eine Reporterin der britischen The Sun für die Serie „TikTok Time Bomb“ innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Videos mit fragwürdigem Inhalt entdeckt: Ein großes Thema ist dabei die übersexualisierung von jungen Mädchen. In einem Clip sind zwei etwa 12-Jährige zu sehen, die in Hot-Pants und bauchfreiem Top lasziv tanzen und mit ihrem Po in die Kamera wackeln, während sie zu einem Lied mitsingen, bei dem es darum geht „seinen Penis in meine Hose zu bekommen“. Ein anderes Mädchen postete an all ihre Kontakte die Frage „Willst du einen Blowjob?“.
Dass man keinen Überblick darüber hat, wer Videos dieser Art ansieht, wenn man sein Profil nicht auf privat stellt, scheint die wenigsten zu stören. Im Gegenteil: In vielen Videos werden Anspielungen bezüglich Sexualstraftäter und Pädophälie gemacht. Gerade erst hat eine Mutter herausgefunden, wie viele potenzielle Triebtäter sich auf Social-Media-Seiten für Kinder herumtreiben.

Sicherheit erhöhen

„Wir haben eine Reihe von Vorkehrungen ergriffen, um die Möglichkeit des falschen Gebrauchs der App zu reduzieren, und wir entwickeln diese Maßnahmen ständig weiter, um die Sicherheit auf TikTok weiter zu erhöhen. Beispielsweise fordern wir alle neuen Nutzer unter 18 Jahren auf, ihr Konto bei der Einrichtung und vor der ersten Veröffentlichung auf ‚privat‘ zu stellen. Wir ermöglichen es jedem - ob TikTok-Nutzer oder nicht - Inhalte oder Konten zu melden, die sie oder er für unangemessen hält“, meint eine Unternehmenssprecherin dazu. Dass das bei einer täglichen Flut an neuen Videos nicht einmal annähernd möglich ist, zeigt der Umstand, dass auch zahlreiche Videos von Kindern und Teenagern im Umlauf sind, die ihre Selbstverletzungen zur Schau stellen. Auch das Bloß- und Nachstellen von Menschen unter Drogeneinfluss ist sehr beliebt.

Gefährliche Challenges

Wie bereits erwähnt ist die TikTok auch eine Brutstätte für teilweise stupide und gefährliche Challenges. In einem Clip tanzen zwei Mädchen inmitten einer befahrenen Landstraße. In einer Kurve, in der sie die Autos erst spät erkennen, um dann im letzten Moment wegzuspringen. Die Überschrift lautet: “Wir wurden dabei von einem Auto angefahren, um uns berühmt zu machen“. Außerdem gibt es zahlreiche Clips von jungen Burschen, die mit ihren Messern angeben oder andere Mitschüler fertig machen. Ebenfalls alarmierend: Clips mit Haustieren, die vermeintlich lustig sein sollen, für die Vierbeiner aber eher eine Qual darstellen.

Zitat Icon

„Obwohl unsere Maßnahmen zum Schutz der Nutzer*innen nicht alle Versuche unterbinden können, unangemessene Inhalte auf der Plattform zu teilen, arbeiten wir daran, dass TikTok ein sicherer, kreativer Ort bleibt. Dafür vergrößern wir kontinuierlich und zügig die lokalen Moderationsteams, und entwickeln unsere Technologien und Richtlinien ständig weiter."

TikTok

März 2020

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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