19.07.2010 11:00 |

Parallelen zu Zogajs

"Super integrierte" Familie muss heim in den Kosovo

Die Familie Zogaj ist offenbar kein Einzelfall: In Wolfau im Südburgenland steht die Abschiebung einer gut integrierten Familie unmittelbar bevor - die Familie G. muss zurück in den Kosovo. Am Donnerstag war ein Informationsschreiben der Bezirkshauptmannschaft eingelangt, bestätigte Rainer Klien von SOS Mitmensch. "Darin steht quasi: Es ist alles vorbei, ihr müsst die Koffer packen", so ein aufgebrachter Klien am Montagvormittag.

Die Familie - Mutter, Vater, zwei Töchter und zwei Söhne im Alter von fünf bis 16 Jahren - leben seit 2004 im burgenländischen Bezirk Oberwart. Sie sind laut Klien "super integriert". Der Älteste habe bereits eine Zusage für eine Lehrstelle, der Vater freut sich ebenfalls über ein Jobangebot, das er sofort annehmen würde, dürfte er einer ordentlichen Arbeit auch gesetzlich nachgehen. Zu den Nachbarn und den anderen Gemeindemitglieder bestehe ein gutes Verhältnis, auch in den örtlichen Vereinen sei man integriert, erklärte Klien.

Freiwillige Ausreise angedacht
Nun ist die drohende Abschiebung traurige Gewissheit. "Die Abschiebung selbst ist seit Jänner bekannt. Nun weiß die Familie einfach nur, dass es in den nächsten Wochen so weit sein wird", erklärte Klien. Sollte sich die Familie gegen eine freiwillige Ausreise aus Österreich entscheiden - dazu habe Klien "dringend geraten" - kann es sein, "dass morgen schon die Polizei vor der Haustür steht und die Familie holt". Andernfalls, also wenn die Familie freiwillig geht, würde man nun zwei bis drei Monate Zeit gewinnen, um die Ausreise und die Wohnungsauflösung zu organisieren.

Verfahren beim VfGH im Laufen
Die Entscheidung, ob sie freiwillig gehen werden oder den Ausreisezeitpunkt den Behörden überlassen wollen, wird die Familie diese Woche treffen, sagte Klien. Eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof sei derzeit noch am Laufen, habe aber keinen Einfluss auf die Abschiebung der Familie. "Die Entscheidung muss die Familie im Ausland abwarten." Die Möglichkeit, mittels Visum wieder ins Burgenland zurückzukehren, ist für Klien nicht relevant. "Ob das realistisch ist, das ist eine andere Frage. Wäre es so, dann müsste man das Paar und die Kinder nicht erst abschieben und dann wieder herholen. Hier entstehen ja auch Kosten", so Klien.

Der Fall der Familie hatte bereits im März 2009 für Schlagzeilen gesorgt. Damals war bekannt geworden, dass die Familie gegen die Abschiebung kämpft. Auch der Landtag beschäftigte sich im November mit dem Fall: SP und VP hatten einen Antrag der Grünen auf Bleiberecht für die von der Abschiebung bedrohte kosovarische Familie G. abgeschmettert.

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