19.07.2010 10:32 |

Erstrunden-Revue

Sturm schoss sich gegen Ried ein ++ KSV heiß aufs Derby

Völlig relaxt ist Franco Foda eine Stunde vor dem Anpfiff am Samstag auf dem Rasen der Rieder Keine-Sorgen-Arena gestanden und hat gut gelaunt mit Sportdirektor Oliver Kreuzer geplaudert. "Ich hab ein gutes Gefühl", orakelte er vor dem ersten Bundesliga-Match der Saison. Der Sturm-Coach hatte den Braten offenbar schon gerochen, denn die Oberösterreicher bereiteten seiner Truppe in den anschließenden 90 Minuten nicht wirklich Sorgen...

Während die Hausherren mit Platzpatronen harmlos durch die Gegend ballerten, schoss Sturm scharf, verwertete die Chancen eiskalt und zog als 3:0-Sieger wieder ab. Was dem Erfolgscoach beim Start positiv auffiel: "Dass Szabics gleich im ersten Spiel zweimal getroffen hat und dass wir in der ersten Halbzeit schon sehr gut nach vorne gespielt haben. Wir haben uns vorgenommen, ein schnelles Tor zu machen - das ist uns auch gelungen. Auf der linken Seite haben Pürcher und Bukva ihre Aufgaben gut erledigt. Ein Sieg gleich in der ersten Partie ist wichtig und gibt Selbstvertrauen."

Aber Foda sah freilich auch Defizite, die der Coach beim Training am Sonntag gleich mit seiner Truppe analysierte. Die wären: "In der ersten Halbzeit ist unsere Abwehr nicht kompakt genug gestanden, nach der Pause war sie weitaus besser organisiert. Außerdem haben wir uns nach dem 2:0 zu weit zurückgezogen und den Riedern zu viel Platz gelassen. Da war zu wenig Ruhe in unserem Spiel, doch das ist normal, wir haben eine neuformierte Mannschaft. Aber weiter als bis zum Strafraum ist der Gegner dennoch nicht gekommen, wir haben keine Möglichkeiten zugelassen."

Zeit zum Verschnaufen bleibt nach dem erfolgreichen Start keine. Schon am Mittwoch steigt der Test-Hit gegen Arsenal, am Samstag wartet das Derby gegen Kapfenberg. Bis dahin sollten auch Andreas Hölzl, Mario Kienzl und Imre Szabics, die am Sonntag das Training verletzt auslassen mussten, wieder fit sein. Szabics: "Das Sprunggelenk schmerzt, nach der Heimfahrt aus Ried konnte ich kaum auftreten. Jetzt geht's aber schon wieder viel besser", betont der 29-Jährige, der sich mit seinem Doppelpack bei der Konkurrenz gleich eindrucksvoll in Erinnerung gerufen hatte.

Nicht in Erinnerung rufen muss er sich seinen letzten Doppelpack. Der kommt wie aus der Pistole geschossen und gelang dem Ungarn gegen einen weitaus prominenteren Gegner: "2004 gegen Bayern München war's, beim 3:1-Sieg mit Stuttgart hab ich damals zweimal getroffen." Große Sprüche klopfte der Stürmer nach seinem Traumstart in Ried aber nicht. Auch wenn zwei Treffer im ersten Spiel hinuntergehen wie Öl. Diesmal habe ich eben ein gutes Näschen gehabt, im nächsten Match ist es vielleicht wieder ein anderer", sagt Imre, der im Stahlbad Deutsche Bundesliga abgebrühter geworden ist.

Szabics: "Ich freue mich über Tore noch immer wie früher und ärgere mich, wenn ich eine Chance auslasse. Aber mittlerweile kann ich das alles viel besser einordnen. In Ried bin ich richtig gestanden, doch es werden garantiert auch wieder Phasen kommen, in denen ich falsch stehe und keine Tore machen werde." Sein Motto daher: Schön am Boden bleiben. "Es gibt ja keinen Grund, jetzt auf Wolke sieben zu schweben. In der zweiten Halbzeit sind wir in Ried nur mehr dem Ball nachgelaufen, habe auch ich mich nicht gut gefühlt. Wenn Ried da der Anschlusstreffer geglückt wäre, hätte es für uns vielleicht noch brenzlig werden können."

Kapfenberg: Mit Vollgas Richtung Liebenau!
Manchen KSV-Fan hatte beim ersten Blick auf die Auslosung schon ein schlechtes Gefühl beschlichen - doch nach dem Punktgewinn gleich in Runde eins gegen den Meister aus Salzburg sind die Obersteirer jetzt auf den Geschmack gekommen. Nun soll das Punktekonto auch nächsten Samstag beim weiß-grünen Duell in Liebenau gegen Sturm aufgestockt werden. Für die verwöhnten "Dosen-Jünger" dagegen war die Nullnummer in Kapfenberg freilich gleich einmal eine mittlere Katastrophe - nicht umsonst wird der Ruf von Trainer Huub Stevens nach einem Stürmer immer lauter.

Neuestes Objekt der Salzburger Begierde soll Ariza Makukula sein - der Portugiese war zuletzt von Benfica an Kayserispor ausgeliehen und ist immerhin aktueller Torschützenkönig der türkischen Süper-Liga. Mit sechs Millionen Euro beträgt der ausgewiesene Marktwert des 29-Jährigen in etwa gleich viel wie der gesamte Saison-Etat der Kapfenberger...

Umso höher ist dieses 0:0 der "Falken" einzuschätzen. Wobei sich vor allem ein Mann gleich in seinem ersten Spiel in die Herzen der KSV-Fans spielte: Makhmednaim Sharifi. Der russische Lockenkopf steigerte sich mit Fortdauer der Partie immer mehr. Im ersten Durchgang machte Dusan Svento gegen Naim (so wird er nämlich der Einfachheit halber genannt) keinen Stich - nach dem Wechsel versuchte es Jakob Jantscher mit dem gleichen "Erfolg".

"Ehrlich gesagt, hab ich vor dem Spiel keinen Salzburg-Spieler gekannt - von daher war ich auch nicht besonders nervös. Aber ein Punkt gegen den Meister zum Auftakt tut natürlich schon gut", sprudelt's aus dem 18-Jährigen in flüssigem Englisch (Deutsch wird gerade gelernt) heraus. Zur Belohnung gab Werner Gregoritsch seiner Truppe am Sonntag frei. "Heimkehrer" Dominique Taboga nutzte den gemeinsam mit Gattin Nicole (die übrigens als Fitnesstrainerin mit dem KSV-Nachwuchs arbeitet) für einen Besuch im Tierpark Mautern mit Greifvogelschau - so quasi von "Falke" zu Falke...

"In der Vergangenheit haben wir den Saisonstart gegen vermeintlich schwächere Gegner immer verloren, von daher tut ein Punkt gegen den Meister natürlich gut", freut sich "Tabo". Jetzt brennen die Kapfenberger aufs Derby gegen Sturm - in Graz ist man immerhin seit drei Spielen unbesiegt.

von Burghard Enzinger, Marcus Stoimaier ("Steirerkrone") und steirerkrone.at

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