18.07.2010 12:21 |

Teure Finanzregeln

Banken warnen vor dem Abbau Tausender Jobs

Harte Kostenschnitte, teurere Aufschläge für die Kunden, eine drastische Kürzung der Kreditvergabe und Tausende Jobs auf der Kippe: Österreichs Banker warnen vor dramatischen Auswirkungen der strengeren Regeln für Banken samt neuer Finanzsteuern und Sicherungsfonds. Laut einer ersten Auswirkungsstudie der Bank Austria sind die milliardenschweren jährlichen Zusatzausgaben aus den laufenden Erträgen nicht zu tragen, die Häuser hätten keine Spielräume mehr.

Die Banken würden weniger Menschen Arbeit geben können, gibt Bank-Austria-Chef Willibald Cernko zu bedenken. Er spricht von einer "signifikanten" Größe. "Wir reden hier von Tausenden Arbeitsplätzen. Es sind 5.000 bis 10.000, die im Feuer stehen", sagte Cernko am Wochenende vor Journalisten. In Österreich sind in den Kreditinstituten rund 80.000 Leute beschäftigt (nach Köpfen), auf Vollzeitstellen umgerechnet sind es knapp 70.000.

Aus allen derzeit debattierten neuen Banken-Regeln zur künftigen Eigenkapitalausstattung ergibt sich nach Rechnung der Bank Austria für die heimischen Institute ein zusätzlicher Kapitalbedarf von 19 bis 35 Milliarden Euro. Das umfasse die neuen "Basel-III"-Regeln samt Neudefinition fürs Kernkapital, neue Unterlegungen fürs Markt- und Kreditrisiko, Erhöhung des Mindestkapitals von 4 auf 5 bzw. 6 Prozent, Kapitalpuffer, aber auch Zuschläge für Systembanken.

Zusatzbedarf zwischen 5 und 21 Milliarden Euro
Zwar sind die heimischen Banken im internationalen Vergleich nicht brüllend kapitalisiert, dennoch ist ein Großteil des Zusatzkapitalbedarfs derzeit da, weil die Banken alle über dem aktuellen 4-Prozent-Mindestsoll liegen. Im Moment hätten die Banken in Österreich 28 Milliarden Euro mehr Kapital, als für 4 Prozent notwendig ist ("Überschusskapital"), der aktuelle Puffer liegt im Schnitt damit 5 Prozentpunkte drüber. Steigt die Mindestquote, wären nur mehr 14 Milliarden Euro "frei". "Netto" wird der Zusatz-Bedarf damit also zwischen 5 und 21 Milliarden Euro beziffert.

Trotzdem ist die ganze Summe an Zusatzkapitalbedarf GuV-wirksam, kostet der Rechnung nach die heimischen Banken zwischen 2,1 und 4,5 Milliarden Euro im Jahr. Die anderen verhandelten Maßnahmen wie Finanztransaktionssteuer, Bankensteuern in Österreich und Osteuropa, neue EU-Einlagensicherung (die anfangs wohl 600 Millionen Euro pro Jahr kostet) und teurere Refinanzierungskosten kosteten nochmals zwischen 2 und mehr als 5 Milliarden Euro im Jahr.

Zusammen müssten die Banken in Österreich demnach 4 bis 10 Milliarden Euro im Jahr mehr ausgeben. Zum Vergleich: In Summe verdienten die heimischen Institute in den letzten fünf Jahren 5,8 Milliarden Euro im Jahr. In den letzten zwei Jahren aber viel weniger, und die hohen Gewinne früherer Jahre würden auch der Vergangenheit angehören, argumentieren die Banken. Im Mindest-Szenario schrumpften die Bankgewinne durch die neuen Kapitalkosten auf ein Drittel, im Worst-Case-Szenario blieben wohl nur Verluste.

Kahlschlag beim Personal oder Verteuerungen für den Kunden
Alle "Stellschrauben", wie diese Lasten zu schultern wären, gelten als problematisch, warnt die Bank Austria. Auch milliardenschwere Dividenden- und Kapitalverzinsungsverzichte. Für Bank-Austria-Chef Cernko "keine Vision", da man ja privates Kapital beschaffen und nicht beim Staat anklopfen wolle. Oder Kostenreduktion um bis zu 28 Prozent, was bis zu 4,3 Milliarden Euro pro Jahr bringen könnte. "Kosten heißt auch Jobs", also wohl Kahlschlag beim Personal. 4,3 Milliarden Euro könnten auch mit Mehreinnahmen hereinkommen, das hieße massive Verteuerungen von Bankleistungen für Private und Firmenkunden. Die Banken müssten ihr gesamtes Geschäftsmodell überdenken.

Würde das nötige Zusatzkapital nicht aufgebracht, müssten die Kredite scharf zurückgefahren werden. Wäre nur die Hälfte des ausstehenden Kapitals für die Banken nicht verfügbar, bedeutete dies eine Rücknahme des Risiko/Kreditvolumens in Österreich zwischen 9 und 30 Prozent - in Summe um 27 bis 94 Milliarden Euro. Ein für die Banker undenkbares Szenario für die Realwirtschaft.

"Maßnahmen für Banken schlicht nicht leistbar"
Cernko: "Uns geht es nicht um Panikmache, sondern um Objektvierung auf Basis der Informationen, die wir jetzt haben." Die Studie zeige, dass alle jetzt debattierten Maßnahmen für die Banken schlicht nicht leistbar sein werden. Freilich sei mehr Krisen-Prävention wichtig - weshalb der österreichische UniCredit-Manager einen Banken-Krisenfonds präferiert.

Das neue Einlagensicherungsmodell sieht er ebenfalls als "gegessen", also nicht mehr verhandelbar. Wohl aber wünscht er sich von der österreichischen Regierung, die 500-Millionen-Euro-Bankensteuer nicht ohne EU-Gleichklang einzuführen und nicht übers Knie zu brechen. Er bekräftigte seine Forderung nach Verschiebung.

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