Außergewöhnlicher Job

„Ich bin der Amerikaner, der Arabisch kann“

Michael Ferris spricht Englisch, Italienisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Chinesisch und Arabisch. Der gebürtige Amerikaner ist ein wahres Sprachtalent und hat dieses in seinen Beruf integriert. Er betreibt in Wien nämlich seit 2013 das Übersetzungsbüro Ferris Translation. „Hier in der Stadt bin ich bekannt als der Amerikaner, der Arabisch spricht“, schmunzelt der 42-Jährige beim City4U-Interview im Kaffee Alt Wien, bei dem er über seinen interessanten Job gesprochen hat.

„Viele unterschätzen unsere Arbeit“, sagt Michael Ferris. „Als Übersetzer muss man technisch versiert sein, weil man mit vielen Programmen arbeiten muss. Außerdem sind viele Zusatzkurse von Vorteil, wie zum Beispiel in Elektronik oder Betriebswirtschaftslehre.“ In seinem Übersetzungsunternehmen Ferris Translations überträgt der gebürtige Amerikaner zusammen mit zahlreichen freien Mitarbeitern Websites, Broschüren, Verträge, Bedienungsanleitungen und vieles mehr von einer Sprache in eine andere. Er selbst übersetzt ins Englische.

„Von kleinen Restaurants über eine große Hotelkette auf den Malediven bis hin zur Industrie. Unsere Kunden sind bunt gemischt“, erzählt Ferris. Für eine Übersetzung von 5000 Wörtern werden in etwa drei Tage veranschlagt: „Es gibt spezifische Prozesse: Die Vorübersetzung, die Übersetzung, die Nachübersetzung und die Qualitätskontrolle. Die Formatierung muss eins zu eins übernommen werden und man muss natürlich darauf achten, dass jedes Wort mit dem gleichen Wort übersetzt wird. Den ganzen Text hindurch.“ Man nehme zum Beispiel das Wort „Gleitringdichtung“. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Übersetzung ins Englische. Man muss aber immer dieselbe verwenden, von Seite eins bis Seite 120.

„Außerdem ist es wichtig, auf den Kunden einzugehen. Wie sind seine Erwartungen? Welche Art von Text soll es werden? Für welches Zielpublikum? Das muss alles vorher abgeklärt werden, damit niemand am Ende enttäuscht ist“, betont der 42-Jährige. Es kommt auch häufig vor, dass neue Patente erstmals übersetzt werden. „Das ist natürlich besonders interessant, weil dann kommen ganz neue Begriffe ins Spiel und wir müssen dann einen Begriff in einer anderen Sprache finden oder sogar neu erfinden. Da kann es schon mal bis zu einer Stunde dauern, bis man ein Wort übersetzt hat.“

Trotz dieses hohen Qualitätsanspruchs geht der Trend im Moment zu „Post-Editing-Machine-Translation“. Das bedeutet, dass der Computer zuerst den Text in die andere Sprache überträgt, der Übersetzer liest im Anschluss nur mehr darüber und nimmt Korrekturen vor. „Ich bin gegen diese Art. Es ist eine besseres Ergebnis, wenn ein gelernter Übersetzer von Anfang bis zum Ende seine Arbeit macht“, stellt Ferris klar. Ein weiteres Problem sind viele ungelernte Kräfte aus teilweise Übersee, die mit Dumpingpreisen von ein bis drei Cent pro Wort locken. Die Qualität bleibt dabei natürlich oft auf der Strecke.

Ferris weiß, wie wichtig professionelle Übersetzungen von gelernten Kräften sind. Immerhin ist er bereits seit fast zwei Jahrzehnten in diesem Berufsfeld tätig. Das hat er übrigens seinem amerikanischen Gitarrenlehrer zu verdanken: „Ich wollte Musik studieren. Mein Gitarrenlehrer hat mir eines Tages gesagt, dass nur die wenigsten mit der Musik eine richtige Karriere einschlagen würden. Er hat mir empfohlen, mein Studium im Ausland zu starten, denn so könnte ich auch gleichzeitig meinen Horizont erweitern und eine neue Sprache lernen. Also kam ich ans Mozarteum in Salzburg.“ Mittlerweile lebt Ferris seit 1996 in Österreich und hat weit mehr als nur eine neue Sprache gelernt.

Februar 2020

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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