09.07.2010 18:50 |

Bei Anruf Hilfe

Telefonseelsorger halten derzeit ihren Kongress in Wien ab

"Listening for Peace – eine Alternative zu Gewalt entdecken" lautet das Motto des Kongresses der Telefonseelsorger, der an diesem Wochenende in der Wiener Hauptuniversität beginnt. Die Idee des ehrenamtlichen, vertraulichen Zuhörens wurde 1953 in London erstmals in die Tat umgesetzt. Die heimische Telefonseelsorge hat seit 1966 ein offenes Ohr für all jene, die dringend einen Gesprächspartner brauchen.

Wie die Organisatorin und Leiterin der österreichischen Telefonseelsorge, die Sozialarbeiterin Marlies Matejka, am Freitag im Rahmen eines Pressegesprächs mitteilte, stellt der 18. IFOTES (International Federation of Telephone Emergency Services, Anm.)-Kongress den Themenkomplex Gewalt in den Fokus und beleuchtet die Problematik von unterschiedlichsten Seiten. Experten aus Wissenschaft und Praxis halten Vorträge und Workshops zu einem Aspekt der gesellschaftlichen Realität, mit der die IFOTES-Mitarbeiter Tag für Tag konfrontiert werden. Bis dato sei Gewalt aber nicht gerade ein in der Öffentlichkeit sehr präsentes Thema.

Experten präsentieren Schwerpunkte
Die zu dem Gespräch geladenen Experten präsentierten kurz die Schwerpunkte: Der Bogen spannt sich von Gewalt gegen Frauen und Kinder, die eigene Person bis hin zur Täterarbeit und zu Maßnahmen zur Prävention. Maria Rösslhumer sprach über die Fortschritte bezüglich des Gewaltschutzes in der Familie, Nestor Kapusta beleuchtete die Vereinsamung im Alter und verwies nachdrücklich auf die Suizidproblematik bei älteren Männern. Heinrich Kraus stellte die Arbeit mit – in erster Linie männlichen – Gewalttätern vor.

IFOTES-Präsident Mark Milton wies eindrücklich darauf hin, dass jeder Mensch potenziell Gewalt in sich trägt. Diese wichtige Erkenntnis sei eine Ausgangsbasis, um das Phänomen zu verstehen und damit umgehen zu lernen. "Wir alle brauchen Frieden" ist er überzeugt. Eine Veränderung sei möglich, weil es sich um ein menschliches Grundbedürfnis handle. Der Experte zeigte sich außerordentlich erfreut darüber, dass die alle drei Jahre abgehaltene Tagung diesmal in "Sigmund Freuds Stadt" zu Gast ist.

Appell an Politik, nicht auf Seelsorge zu vergessen
Abschließend appellierten die heimischen Experten an die Politik, Institutionen, die sich der Gewaltprävention und Erforschung der Thematik widmen, nicht "fahrlässig auszuhungern". Die sehr niederschwellige Anlaufstelle Telefonseelsorge in Anspruch zu nehmen sei ein erster Schritt; nachdem mit den Hilfesuchenden eine Beziehung aufgebaut wird, sei aber oft die Unterstützung von Fachleuten notwendig.

In Österreich ist die kostenlose Anlaufstelle rund um die Uhr anonym unter der vorwahlfreien Nummer 142 – oder natürlich online – zu erreichen.

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