09.07.2010 13:23 |

Kindermord

Psychogramm von Schuld und Sühne: "Troubled Water"

Gelingt es einer Mutter, dem Mörder ihres Kindes zu vergeben? Das ist nur eine von vielen Fragen, die der Film "Troubled Water" des norwegischen Regisseurs Erik Poppe aufwirft. Gelingt es zu vergessen, dass man nur einen Kakao für den Buben holen wollte, ihn kurz alleinließ, dass diese Minuten genügten, ihn zu entführen? Die Kinderkarre wurde damals am Fluss gefunden, der Leichnam nie.

Nein, Agnes (Ellen Dorrit Petersen) schafft es nicht. Vor allem, als sie plötzlich dem Mann auf der Straße begegnet, der für den Tod ihres Sohnes verantwortlich ist. An der Seite des Mannes ein kleiner Junge, der ihrem Sohn zum Verwechseln ähnlich sieht.

Michael Moore ist begeistert
"Troubled Water", der letzte Teil der Oslo-Trilogie, bekam auf Festivals von Kritik und Publikum viel Lob und Auszeichnungen. Die Reaktionen waren oft überschwänglich, und der Verleih wirbt mit einem Zitat des amerikanischen Oscar-Preisträgers Michael Moore: "Es ist der absolut beste Film, den ich seit Jahren gesehen habe."

Acht Jahre sind vergangen seit der Verurteilung des jugendlichen Straftäters, er wird zur Bewährung entlassen. Dank seiner ungewöhnlichen Begabung findet er einen Job als Organist in einer Kirchengemeinde. Seinen ersten Vornamen verschweigt er - genau wie seine Vergangenheit. Als Thomas beginnt er ein neues Leben. Er verliebt sich in die junge, allein erziehende Pastorin, deren vierjähriger Sohn schnell eine tiefe Zuneigung zu ihm entwickelt.

Ein Alptraum, der nicht enden will
Die Erinnerung an die Entführung, die Bilder jenes schicksalhaften Tages verfolgen Thomas immer und überall hin, ein Alptraum, der nicht enden will. Der schlaksige junge Mann wirkt verschlossen, fast feindlich, dann wieder bescheiden, sanft, um plötzlich unerwartet aggressiv aufzubegehren, er fühlt sich zu Unrecht verurteilt, bestreitet jede Schuld. Er hat den Glauben an Gott und die Welt verloren.

Bedrückend und ergreifend zu sehen, wie Thomas nur beim Orgelspiel seine Qualen zum Ausdruck bringen kann, für die er sonst keine Worte findet. Simon & Garfunkels Song "Bridge Over Troubled Water", in einer opulent dramatischen Fassung von Komponist Johann Södequist, wird im Kirchengewölbe zu einer Explosion von Schmerz und Sehnsucht.

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