07.07.2010 09:21 |

Baby mit Schulden

Finale Abrechnung: Pröll-Kampagne für 816.802,51 Euro

"Weniger Schulden. Mehr für Österreich" - unter diesem Titel hat ÖVP-Finanzminister Josef Pröll die Steuerzahler im Frühjahr auf wachsenden Schuldenberg der Republik aufmerksam gemacht. 23.901 Euro Schulden habe derzeit jeder Österreicher - vom Kleinkind bis zur Großmutter. Der Grün-Mandatar Karl Öllinger wollte von Pröll wissen, wie viel Steuergeld das Finanzministerium für diese Information springen ließ. Die Antwort liegt nun vor: Die Aktion kostete insgesamt 816.802,51 Euro und damit noch fast 100.000 Euro mehr als zwischenzeitlich angegeben.

Inseriert hat das Finanzministerium schwerpunktmäßig zwischen 27. April und 6. Mai in allen österreichischen Tageszeitungen sowie in zahlreichen Magazinen und Wochenzeitungen (darunter auch für rund 9.600 Euro in der vom ÖVP-Bauernbund herausgegebenen "Bauernzeitung"). Von den Gesamtkosten flossen außerdem 46.000 Euro an mit der Abwicklung betraute externe Dienstleister.

Pröll vergleicht Kampagne mit Milliarden-Staatsschuld
Neben den konkreten Kosten für die einzelnen Aufträge wollte Öllinger vom Finanzminister auch erfahren, wie viele "Enkelsöhne und Enkeltöchter" man von ihrer 24.000 Euro schweren Schuldenlast hätte befreien können, wäre auf die Kampagne verzichtet worden.

Pröll ließ diese Frage zwar unbeantwortet und wies stattdessen lapidar darauf hin, dass eine völlige Rückführung der bald 200 Milliarden Euro schweren Staatsschuld "durch Einsparung der gegenständlichen Informationsserie nicht möglich ist". Der Vollständigkeit halber: 816.802,51 / 23.901 = 34,17 Enkerl.

65 Millionen für PR und Werbung in zwei Jahren
Öllinger wirft der Regierung vor, mit derartigen Informationskampagnen gegen die einschlägigen Empfehlungen des Rechnungshofs zu verstoßen. Seiner Auflistung zufolge hat die Regierung im Jahr 2008 35 Millionen Euro für Öffentlichkeitsarbeit ausgegeben, 2009 lagen die Werbekosten bei 30 Millionen Euro.

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