15.01.2020 14:49 |

Schweizer Härte

Pornos geschaut: Bergbahnen feuern Liftwart

Minnas G. versteht die Welt nicht mehr: Weil er im Pausenraum Pornos schaute, wurde der Schweizer jetzt von seinem Arbeitgeber, der Lenzerheide Bergbahnen AG, fristlos entlassen. Während der 30-jährige gelernte Waldarbeiter den Vorfall relativiert, spricht der Arbeitgeber von „absolut inakzeptablem Verhalten“. Auch weil der Liftwart die pornografischen Inhalte vor anderen Mitarbeitern geschaut haben soll - und das nicht nur einmal.

Minnas G. arbeitete in der Wintersaison bei der Lenzerheide Bergbahnen AG (LBB) am Skilift Valbella, als ihm letzte Woche die fristlose Kündigung erreichte. Den Vorwurf, er habe Pornos geschaut, streitet der Schweizer auch gar nicht ab, gibt sogar gegenüber dem „Blick“ zu, dass er im Pausenraum des Liftbetriebs Pornos konsumiert hat. Die Fristlose findet er aber „übertrieben“. Seine Argumentation: „Meine Hose war ja immer zu!“ Zudem habe er auf seinem privaten Tablet geschaut, „morgens, bevor der Betrieb losging“, so der 30-Jährige, der sich für den Bericht der Schweizer Zeitung auch ablichten ließ.

„Sogar dann, wenn sich andere Mitarbeiter im Raum befinden“
Doch Arbeitgeber LBB zeigte kein Verständnis. Im Kündigungsschreiben an den Liftwart heißt es: „Wir mussten feststellen, dass du während der Arbeitszeit in den Räumlichkeiten der LBB Filme mit pornografischem Inhalt schaust. Dies sogar dann, wenn sich andere Mitarbeitende im selben Raum befinden.“ Für das Unternehmen ist eindeutig klar: „Dieses Verhalten ist absolut inakzeptabel. Wir distanzieren uns von diesem Verhalten und lösen das Arbeitsverhältnis fristlos per sofort mit dir auf.“

Minnas G. fühlt sich ungerecht behandelt. „Eine Mitarbeiterin hat gesehen, wie ich den Porno schaute. Sie hat mich wohl verraten, denn bereits am Mittag erhielt ich die Kündigung.“ Eine Vorgehensweise, die er für übertrieben hält, „im Team sind alle Kollegen erwachsen“, so der gelernte Waldarbeiter. Der 30-Jährige war laut dem Bericht schon in der Wintersaison 2018/19 rund drei Monate lang am Skilift Valbella für die LBB tätig. Mit seiner Arbeit sei man stets zufrieden gewesen. Die Bergbahnen erklärten wiederum, G. sei bereits mehrmals verwarnt worden, weil sich andere Mitarbeiter durch seinen pornografischen Filmkonsum gestört fühlten.

LBB führt „Porno-Passus“ ein
Die Bergbahnen erklärten auf „Blick“-Anfrage schriftlich: „Die Kündigung ist gerechtfertigt. Herr G. hat in mehreren Punkten gegen das Personalreglement verstossen (sic!)“. So sei das Lesen während der Arbeitszeit verboten, das Telefonieren oder Versenden von privaten Nachrichten nur im Notfall erlaubt. Vom Konsumieren von Pornos steht allerdings nichts explizit in dem Regelwerk - zumindest bis jetzt. Minnas G. schuf dafür den Präzedenzfall, denn die LBB will das Reglement jetzt um einen „Porno-Passus“ ergänzen und „das Schauen von Filmen mit pornografischem Inhalt während der Arbeits- und Pausenzeit explizit als Verbot aufnehmen“.

Minnas G. ist indes auf der Suche nach einen neuen Job. Um Geld zu sparen, lebt er in einem Wohnwagen und stelle momentan „sogar die Gasheizung ab“. Der Ex-Arbeitgeber drückt im Kündigungsschreiben die Hoffnung aus, dass er aus diesem Vorfall etwas lernt „und wieder auf den richtigen Weg“ zurückfindet ...

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