Außergewöhnlicher Job

„Durch Zeichnen kann man erst die Welt erfahren“

„Zeichnen ist generell die für mich geeignetste Art die Welt zu erfahren. Ich versuche so oft zu zeichnen wie möglich, auch unterwegs. Das hilft mir, Dinge besser zu verstehen, sie mir zu merken und gegebenenfalls auch zu ertragen“, sagt Markus Roskar im City4U-Talk. Der ausgebildete Maler und Bildhauer zeichnet, seit er in der Lage gewesen ist, einen Stift zu halten. Nach langer Zeit als Illustrator für wissenschaftliche Journale, will er seine Werke nun einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Eines seiner Projekte sind Zeichnungen von Passanten in den Öffis, die er mit Texten über Zeit, wie Lebenszeit oder Wartezeit, versieht.

„Mark Twain hat einmal geschrieben: ,Das Geheimnis des Erfolgs ist anzufangen.‘ Mit der Inspiration ist das, glaube ich, ähnlich. Und anfangen heißt hier, die Augen aufzumachen und aufmerksam nach außen und innen zu schauen. Der Rest kommt dann schon“, antwortet Markus Roskar auf die Frage, woher er die Inspiration für seine Werke nehme. Lange Zeit war sie ihm nämlich vorgegeben. Als Illustrator für wissenschaftliche Magazine, wie dem „Annual Review of Entomology“, für das er den Schnitt eines Insektenherz zeichnete. „Da war man strengen formalen Kriterien verpflichtet.“

Seit seiner Zusammenarbeit mit Georg Glaeser für das Buch „Mathematik mit Humor“, bei dem der gebürtige Grazer erstmals auch als Autor und nicht nur in der Danksagung genannt wurde, will der Künstler diesen Weg von der Spezialisierung zur breiteren Öffentlichkeit möchte ich weiter verfolgen. „Seit zehn Jahren zeichne ich immer wieder unseren Hund. Ich beobachte ihn, er mich, wir versuchen auseinander schlau zu werden. Diese Serie begleite ich mit meinen Vermutungen und Spekulationen. Daraus möchte ich ein Buch machen“, erzählt der gelernte Bildhauer. Ob mit Hund oder Mensch, die größte Herausforderung als Zeichner und Illustrator sei stets die Kommunikation: „Manchmal ist sie auch der aufwendigste Teil der Arbeit, herauszufinden, worum es eigentlich geht, Missverständnisse auszuräumen, um zu einem Ergebnis zu gelangen, das alle Anforderungen erfüllt.“

Ein besonderes Merkmal Roskars Arbeiten sind oft die Verwendung von Bild und Text. „Bild und Wort sind keine Gegner. Ich kombiniere gerne beides, notiere Assoziationen oder aufgeschnappte Gesprächsfetzen, Informationen, die die Zeichnung ergänzen oder der Interpretation einen Drall verleihen. Bild und Text kommen in meiner Vorstellung immer gemeinsam vor.“ So auch in seinem Öffi-Projekt: „Da zeichne ich mehr oder weniger unbemerkt in U- und S-Bahn andere Fahrgäste und verflechte sie mit einem Text über Zeit und Tagträumen.“ Auch beim Fernsehen legt der Wiener den Stift und Block nicht aus der Hand. „Ich beginne einfach, die Personen zu zeichnen. Da war sicher auch schon der eine oder andere Politiker dabei, obwohl ich da keine Vorlieben habe. Diese Zeichnungen nenne ich Fernsehfratzen.“

Seine Liebe zum Zeichnen kann Roskars Bekanntenkreis auch schon mal stören. „Manchmal höre ich ein entnervt vorgebrachtes: ,Du zeichnest mich aber jetzt bitte nicht“ Das nervt mich dann. Seiner großen Leidenschaft tut das jedoch keinen Abbruch. „Ich glaube, dass jeder Mensch bis zu einem gewissen Grad das Zeichnen lernen kann. Darüber hinaus braucht es Begabung, Leidenschaft, Leidensfähigkeit und Durchhaltevermögen. Es geht um eine feinste Koordination von Auge, Gehirn und Hand.“

Jänner 2020

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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