01.07.2010 13:56 |

China-Tagebuch

"Ein Land, das wirtschaftliche Chancen bietet"

Auch wenn das Land noch so weit entfernt sein mag, es gibt kaum Regionen auf dieser Welt, wo man nicht den einen oder anderen Kärntner trifft. So auch beim Besuch einer Kärntner Wirtschaftsdelegation in China, wo heimische Unternehmer derzeit eifrig bemüht sind, neue Geschäftsbeziehungen anzubahnen.

Die Welt ist klein, und Kärntner finden sich immer. Wie etwa Simon Rutar, Sohn des Kärntner Möbeltycoons, seinen Landsleuten im Rahmen der Kärntner Wirtschaftsmission in China in Peking über den Weg lief. Was verschlägt den Couch-Junior nach China? "Ein Praktikum bei einem Unternehmensberater", erzählt er. Es gilt, Auslandserfahrungen zu sammeln. Deshalb geht's dann von Peking gleich weiter nach Bangladesh, wo Rutar bei dem Mikrobankprojekt mitarbeiten möchte, ehe er dann beim Forum Alpbach durch ein Stipendium glänzt.

Auch eine Wolfsbergerin klettert in Peking auf der Karriereleiter nach oben. Martina Winkler (24) fungiert seit bald zwei Jahren im International Management einer chinesischen Firma. Wenngleich es schwer ist, hier als blonde Ausländerin Fuß zu fassen, wie die junge Kärntnerin berichtet: "Es ist die Sprachbarriere, die bei der Jobsuche sehr hinderlich ist. Ich spreche recht gut Chinesisch, aber vielen Firmen ist das nicht gut genug."

Daher: Zurück auf die Schulbank, Martina muss fleißig weiterlernen, um von den gut 50.000 Schriftzeichen 6.000 zu beherrschen – so viele sind nötig, um etwa eine Zeitung zu lesen.

China-Botschafter als Kärnten-Freund
Ein Kärnten-Freund ist übrigens der österreichische Botschafter in China, Martin Sajdik (rechts im Bild). Denn er macht seit 59 (!) Jahren Urlaub am Ossiacher See. "Schon als Dreijähriger bin ich mit meinen Eltern hingefahren", bekennt seine Exzellenz. "Und da ich mich in Kärnten so wohlfühle, habe ich diese Tradition nie gebrochen."

Sajdik hat die sommerliche Entspannung auch bitter nötig: Als chinesischer Botschafter ist es für ihn eine ständige politische Gratwanderung, zwischen den Interessen Österreichs und denen Chinas zu vermitteln. Zudem ist er auch noch für die Mongolei und, derzeit besonders anstrengend, Nordkorea zuständig. "Das diplomatische Parkett ist nicht immer einfach."

"Ein Land, das Chancen bietet"
Vor allem nicht in einem Land, wo der Staat immer noch totalitär regiert, wo es überall Kameras gibt und das Internet kontrolliert wird. "Das ist eine Seite Chinas." Die andere: ein spannendes Land, ein Land im Aufbruch, im Umbruch und voller Widersprüche. "Ein Land, das Kärnten wirtschaftliche Chancen bietet", wie auch Wirtschaftskammerpräsident Franz Pacher (links) nicht müde wird zu betonen.

Das sehen auch die Unternehmer so, die schon zahlreiche Business-Kontakte geknüpft haben. In drei, vier Tagen soll es die ersten Abschlüsse geben. Doch wie heißt es in einem chinesischen Sprichwort: "Fürchte nicht schwere Arbeit, fürchte leere Reden."

von Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"

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