Kriminelle auf Tour

Betroffene erzählt: “Nach dem Einbruch bleibt nur Angst”

Kärnten
30.06.2010 19:14
Mehr als 20 Einbrüche in 48 Stunden: Kärnten wird zum Selbstbedienungsladen für Kriminelle. Nichts und niemand ist sicher, Judith S. aus Klagenfurt war es auch nicht. Am helllichten Tag wurde ihre Wohnungstür eingetreten, wertvoller Familienschmuck ist weg. Eine Wohnung, die mitten in einem Mehrparteienhaus liegt. Doch nichts hören, nichts sehen, nichts reden gilt dort.

Ein einsames Haus am Waldrand – ja, Einbrüche in solche Objekte gab es schon immer. Aber eine Wohnung im ersten Stock eines Mehrparteienhauses mitten in Klagenfurt? Am helllichten Tag! Unter Anwendung roher Gewalt und ohne die geringste Bemühung, nicht aufzufallen. Das ist eine neue Qualität der Kriminalität, der die Polizei hilflos gegenüber steht.

Judith S. (62) braucht uns die Tür gar nicht zu öffnen, sie wurde eingetreten, ist nur repariert. "Am Dienstag war ich am See. Als ich abends heimkam, sah ich die offene Wohnungstür", schildert sie und ist den Tränen nahe. Eingetreten war sie, die Tür, gewaltsam nach innen gedrückt.

Fingerabdrücke? Fehlanzeige! Aber oben rechts am kaputten Stock fiel der Spurensicherung eine sogenannte Gaunerzinke auf. Ein kleines schwarzes "R" als offensichtlicher Hinweis, dass hier was zu holen ist. Besser: zu holen war.

"Unheimliches und beklemmendes Gefühl bleibt"
Denn jetzt fehlt Familienschmuck, hergestellt vom Vater der Klagenfurterin, der Juwelier war. Alles Einzelstücke, alles prächtige Preziosen. Die Handtasche fehlt auch, mit Geld, Papieren, Karten. "30.000 Euro wird alles wert sein. Doch schlimmer ist die Angst, die jetzt bleibt." Zielsicher hatte der Täter aus den Nachtkästchen seine Beute geholt. "In einem Zimmer zu schlafen, in dem dieser Fremde war, schaffe ich nicht. Das ist fast schlimmer als es die gestohlenen materiellen Güter sind. Die Angst, dieses unheimliche und beklemmende Gefühl, das bleibt." 

Mehrere Anrufe pro Tag
Und diese Fragen: Hatte der Täter Mitwisser im Wohnviertel? Der ihn über An- und Abwesenheiten seines künftigen Opfers informierte? Wer war der Anrufer, der zuletzt mehrmals täglich das Festnetztelefon klingeln ließ und auflegte, als Judith S. den Hörer abhob? "Ich ärgerte mich noch über diesen Trottel." Die Polizei hat nur eine vorläufige Antwort: "Das war ein Profi! Und vermutlich aus dem Ausland."

Jedenfalls einer, der nicht nur die oft hart verdienten Wertsachen seiner Opfer stiehlt, sondern auch die Psyche dieser Kärntner zerstört. Zwei Dutzend Mal in den vergangenen 48 Stunden in ganz Kärnten, zehnmal in Villach-Auen, zehnmal in Klagenfurt. Und der ihnen den Glauben an das Gute, an die Möglichkeit eines ruhigen Lebens nimmt.

von Fritz Kimeswenger, "Kärntner Krone"

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