„Skinny Check!“

Trend im Netz stellt Magersucht als cool dar

Dass es in den sozialen Medien vor allem um Äußerlichkeiten geht, ist nichts Neues. Neu ist jedoch, dass Bilder von magersüchtigen Teenagern nun in einem besonders positiven Kontext dargestellt werden. Einst war das Stichwort „Pro Ana“, jetzt ist es „Skinny Check!“. Auf Plattformen wie „Tik Tok“ werden extrem dünne Körper als besonders erstrebenswert verherrlicht, anstatt darauf hinzuweisen, dass so ein Körper ein Krankheitsbild darstellt.

Schon lange läuft die Diskussion, ob Fernsehsendungen wie „Germanys Next Topmodel“, die perfekt inszenierten Bilder der Influencer oder dürre Mädchen, die auf „Tik Tok“ tanzen, dazu beitragen, dass es mehr magersüchtige Jugendliche gibt. „Das kann man nicht sagen“, betont Kristin Langer von der deutschen Initiative „Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht“ auf mopo.de. Trotzdem haben diese Darstellungen aber eine Wirkung auf junge Mädchen und auch Buben.

Als Teenager befindet man sich ohnehin in einer Phase, in der plötzlich alles anders ist und in der man seinen Platz in der Welt und sich selbst erst finden muss. Da können positive Darstellungen von krankhaft dünnen Menschen schon verunsichern. Doch nicht nur positive Fotos von Magersüchtigen sind ein Problem. Auch die aufwendig inszenierten Bilder der Influencer. Den Teenies wird vermittelt, dass man nur erfolgreich und beliebt ist, wenn man den vermeintlich perfekten Körper hat.

Besonders problematisch ist dabei der neue Trend „Skinny Check!“ auf „Tik Tok“. Dort befinden sich Mädchen in einem Wettkampf miteinander, wer den dünnsten Körper hat. Zu dem Song „If you like to talk to tomatoes“ präsentieren sie ihre ausgemergelten Körper. Wer hat die spitzesten Ellbogen, die herausragendsten Wangenknochen und die dünnsten Oberschenkel, bei denen selbst die Size-Zero-Jeans wie eine Baggy-Hose herunterhängt. Der gemeinsame Code ist „Skinny Check“, markiert mit den Hashtags #ed (für „Eating Disorder“, also Essstörung) und #edrecovery (für jene, die sich gerade von einer Essstörung erholen). Die Kinder suggerieren damit anderen Kids, dass es cool ist, unter einer Essstörung zu leiden.

Ein gegenseitiger Wettkampf im Netz unter Magersüchtigen oder an Bulimie-Erkrankten ist nichts Neues. Bereits in den 00er-Jahren, als plötzlich jeder über einen PC und Internet verfügte, gab es die ersten „Pro Ana“-Foren. Dort „unterstützten“ sich Frauen und Männer gegenseitig, so wenig Kalorien wie möglich zu sich zu nehmen und so viel Sport wie möglich zu machen. Eben immer dünner zu werden. Neu an „Skinny Check!“ ist jedoch, dass hier bereits elf- bis zwölfjährige Kinder mitmachen.

Warum „Tik Tok“ nichts dagegen tut, bleibt unbeantwortet. Erst vor wenigen Monaten ist der chinesische Musically-Nachfolger in die Kritik geraten, weil Beiträge von behinderten, homosexuellen oder adipösen Usern gezielt downgegraded hatte beziehungsweise diese gesperrt wurden. Die Magersuchts-Challenge der Kinder, die bereits aus mehr als 40.000 Videos besteht, bleibt allerdings online.

Jänner 2020

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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