08.01.2020 06:00 |

Menschenhandel in Wien

Behinderte verprügelt und zum Betteln gezwungen

Sie haben die Ärmsten der Armen unterdrückt, verprügelt und ausgebeutet. Menschen, die hofften, in Wien bessere Arbeit zu bekommen als in Bulgarien, mussten betteln gehen und den Erlös abliefern. Was sagen die beiden Angeklagten? Seltsame Ausflüchte und Gejammer ist alles, was sie hören lassen.

Vater (65) und Sohn (38) sitzen gemeinsam auf der Anklagebank, beide in das elende Gewerbe des Menschenhandels tief verstrickt. Der Sohn wurde dafür in Griechenland zu zwölf Jahren verurteilt.

Nach Wien gelockt
Die Männer legen zwar ein Geständnis ab, aber wofür, bleibt unklar. Ihre Opfer, die sie teils in einem Obdachlosenheim in Rousse (Bulgarien) gefunden und nach Wien gelockt haben, wollen sie alle nicht kennen. Doch mit mehreren sind sie beim Übertritt der EU-Außengrenze im gleichen Bus gesessen. In einer Wohnung in Wien-Sechshaus, wo die Männer aufgegriffen worden sind, befanden sich auch mehrere Bettler.

Hoffnung auf guten Job
Die Aussagen der Opfer sind eindeutig: Einige lebten zuvor in einem Obdachlosenheim und kamen in der Hoffnung auf einen guten Job nach Wien. Hier war plötzlich alles anders. Man pferchte sie in eine enge Wohnung und schickte sie betteln. Unter ihnen eine hilflose Frau mit einer Intelligenzminderung und ein körperlich Behinderter. Und parierten die Opfer nicht, wurden sie auch noch verprügelt.

Die Bettler-Chefs hatten ihren Opfern auch sämtliche Ausweise abgenommen. „Warum hatten Sie die Papiere von Fremden bei sich?“, wollte Richterin Magdalena Klestil-Krausam wissen. Und bekommt keine klare Antwort. Ein Zeuge sagt, dass die Männer pro Tag 500 Euro mit ihrer Bettlertruppe verdient haben. Urteil: 36 und 33 Monate Haft.

Peter Grotter, Kronen Zeitung

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