05.01.2020 07:07 |

Standing Ovations

Grüne tanzten in Salzburg in die Bundesregierung

Martina Berthold führte als Teil des vierköpfigen Präsidiums durch den Tag im Kongresshaus. Dort, wo normalerweise bei Bällen das Tanzbein geschwungen wird, prophezeite die Chefin der Stadt-Grünen „historisch Bewegendes“. Berthold fühlte sich am Podest sichtlich wohl und leitete das Programm sehr charmant.

Noch bevor Grünen-Chef Werner Kogler mit samt seiner künftigen Regierungsriege den Saal betrat, stand Salzburgs Stadträtin Martina Berthold im Mittelpunkt und eröffnete den 42. Bundeskongress im Kongresshaus. „Normalerweise tanze ich hier auf Bällen“, so Berthold, die den Heimvorteil sichtlich genoss. „Jetzt tanzen wir durch das Programm“, legte sie direkt nach. Das Scheinwerferlicht schwenkte aber nur wenig später auf die andere Seite des Saals: Werner Kogler und Co. trafen mit etwas Verspätung ein, was der Stimmung aber nur einen Spannungsbogen verschaffte. Die Standing Ovations der mehr als 270 Delegierten und einigen Zuschauer glichen eher einer gewonnen Wahlschlacht, wie etwa jener Ende September, die die Grünen wieder zurück in den Nationalrat hievten – und eben jetzt sogar in die Regierung. Kogler gelang es relativ schnell die Menge zu beruhigen und die Partei in seiner einstündigen Rede – auch hier gab es jede Menge Szenenapplaus – auf die bevorstehende Abstimmung einzuschwören.

Der Wiener Walzer am Salzburger Parkett
Nach dem furiosen Start wurde der Nachmittag etwas ermüdend als alle Chefverhandler ihre Ressorts vorstellten – die meisten Delegierten hatten sich schon im Vorfeld genau informiert – und es auch zahlreiche Wortmeldungen in der anschließende Fragerunde gab. Diese wurde um 17 Uhr zeitbedingt abgebrochen. Viele Mitglieder mussten noch ihre Öffis in die Heimat erwischen...

Die Abstimmung zum Eintritt in die Bundesregierung entwickelte sich dann auf dem Salzburger Parkett zu einem eleganten Wiener Walzer: Mehr als 93 Prozent der Delegierten stimmten dafür. Gerade einmal 15 Grüne wollten den Türkis-Grünen Pakt nicht.

Allgemein war an diesem verregneten Samstag bei den Grünen eine Aufbruchstimmung zu erkennen, auch wenn es natürlich kritische Stimmen aus den eigenen Reihen gab. Am Ende überwiegte die Freude künftig mitgestalten zu können deutlich. Da gehört der Biss in den sauren Apfel in der Politik einfach dazu, so der allgemeine Tenor.

Felix Roittner

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