27.12.2019 11:30 |

Regionen am Zug

Letzte Klimachance: Die kleinen Zellen

Nach dem kläglichen Versagen der Großen bei der Klimakonferenz in Madrid herrscht Ernüchterung. Nun sollen es - wieder einmal - die Kleinen richten. Zum Beispiel die Klima- und Energiemodellregionen.

Zeit, zu handeln – im Nachhinein klingt dieses Motto der kürzlich zu Ende gegangenen Weltklimakonferenz in Spanien wie ein Hohn. Bei der „Schandkonferenz“, wie sie viele nennen, drehten kleine und große Klimasünder wieder einmal das Motto um in „Zeit, abzuwarten“.

Abwarten beim Klimaschutz war bereits vor zehn Jahren in Österreich nicht mehr hip. Schon damals legte der Klima- und Energiefonds Österreich den Grundstein zur Gründung von Klima- und Energiemodellregionen (KEM). Ein Zusammenschluss von Gemeinden mit der Zielsetzung, natürliche Ressourcen optimal zu nutzen, Energieeinsparpotenziale auszuschöpfen und nachhaltiges Wirtschaften in den Regionen voranzutreiben. Die Vision: völliger Ausstieg aus der fossilen Energie.

In über 10 Gemeinden arbeiten Energieteams
Ein Energiebündel ist Gisela Egger. Und „Energiebündel“ heißt auch die mit Abstand größte der vier KEM Tirols. Egger leitet den Energieverbund aller 24 Gemeinden des Bezirkes Imst plus Wildermieming. Auch sie weiß, dass die kleinen Zellen nun noch wichtiger werden: „Nach dem Motto ,button up statt drop down’ muss der Druck von unten noch intensiver werden.“ Die KEM Imst wird in wenigen Tagen zwei Jahre alt und auf die Frage, wie es denn bisher gelaufen sei, sprudelt es aus Egger nur so heraus: „Mit einem Umsetzungsstand von mehr als 80 Prozent ist vieles geschafft. In jeder Gemeinde gibt es einen E-Ansprechpartner, in der Hälfte der Kommunen sogar Energieteams. Das Interesse steigt sukzessive.“

E-Dorftaxis, thermische Sanierung, PV-Anlagen
Immerhin locken exklusive KEM-Investitionsförderungen in den Bereichen Photovoltaik, Solarthermie, Holzheizungen, Mustersanierungen, Speichern und Ladestationen. Letztere stehen bereits in Stams, Roppen, Silz, Tarrenz und Nassereith, um das elektrobetriebene Dorftaxi zu laden. Unzählige öffentliche Gebäude wie Schulen oder Kindergärten wurden mit KEM-Unterstützung energieeffizient saniert. „Bisher konnten wir acht Photovoltaikanlagen fördern“, sagt die energiegeladene, studierte Architektin, „in Arzl ist sogar eine PV-Anlage für Mietwohnungen in Planung.“

E-Buchhaltung deckt Schwachstellen auf
Mittlerweile praktizieren zehn Gemeinden für alle kommunalen Gebäude eine so genannte Energiebuchhaltung. Hierbei werden Strom- und Heizenergieverbrauch genau analysiert, um bei Auffälligkeiten reagieren zu können. „Energieersparnis heißt immer auch Kostenersparnis“, erinnert die Managerin und lobt die Gemeinden über den grünen Klee, „erfolgreich ist die Gesamtheit, die Umsetzung passiert ja in den 25 Gemeinden.“ In den Imster Kommunen ist wahrlich schon einiges passiert: Sieben davon sind so genannte e5-Gemeinden. Egger: „Das geht von der Energie Tirol aus. Eine gute Gelegenheit zu erwähnen, dass es ja mehrere Institutionen gibt.“ Die Zusammenarbeit sei sehr eng. In so genannten Vernetzungstreffen werde versucht, alle Aktionen zu koordinieren, auch jene vom „Klimabündnis“.

Auch Reutte möchte Modellregion werden
Zukünftig wird noch mehr zu koordinieren sein, denn seit kurzem können auch Unternehmen Klimabündnis-Betriebe werden. Das Land Tirol unterstützt dabei. Gisela Egger wiederum unterstützt die Außerferner, denn die haben sich als neue KEM beworben. „Wir müssen energiepolitisch etwas tun“, betont der Reuttener Amtsleiter Sebastian Weirather, „in den nächsten Tagen bekommen wir hoffentlich die Zusage.“

Hubert Daum, Kronen Zeitung

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