26.12.2019 20:00 |

Oberland

Fasnachtsvirus nun nicht mehr zu bändigen

Im den Oberländer Fasnachtshochburgen fiebert man bereits dem Februar entgegen: In gut fünf Wochen, am 2. 2., geht das Telfer Schleicherlaufen über die Open Air-Bühne, eine Woche später das Imster Schemenlaufen. Bei der Vollversammlung im Telfer Rathaussaal wird wohl die Virusepidemie endgültig ausbrechen, aber auch in Imst scharrt man in den Startlöchern.

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Arme Telfer Fasnachtler! Als einzige mussten sie fünf Jahre lang warten, bis sie wieder „in die Fasnacht“ gehen dürfen. Vielleicht ist die längste Abstinenz aller Fasnachten der Grund, warum die Vorfasnachtszeit in Telfs von außen als „sehr intensiv“ wahrgenommen wird. Von wahrlichen Eskapaden Monate vor dem Umzug ist die Rede, sogar vom Hinaufschnellen der Scheidungsrate nach jeder Fasnacht. „Das war vielleicht früher so, wir haben uns diszipliniert“, beruhigt Johann Sterzinger, Obmann der Schleicher, „die Wägen und Gruppenlokale öffnen offiziell erst am Dreikönigstag, wenn der Naz ausgegraben wird.“

Archiv längst leer
Außer dem „Keschtnbratn“ laufe vorher nichts. Wer allerdings viel läuft, ist Martin Trigler, der Fasnachtsarchivar. Besser gesagt gelaufen ist, denn das Archiv, in dem sämtliche Utensilien fünf Jahre lang ruhen, hat sich ziemlich geleert. „Kürzlich haben die Schleicher ihre Schellen und Drahtmasken geholt, die meisten Larven sind auch schon weg“, erzählt der Hüter des Schatzes mit einem Karteikasten in der Hand, „natürlich wird jedes Stück, das außer Haus geht, penibel aufgezeichnet.“ Mit grinsendem Winken lotst er in den Nebenraum – und da steht er, der Stolz des überzeugten Laningers (eine wichtige Traditionsgruppe) Martin Trigler: der Laningerkarren. Der fahre erstmals beim Naz-Ausgraben aus, er könne es kaum noch erwarten.

Diskussionen über neue Umzugsreihenfolge
Und da kommt auch während des „Krone“-Besuches Schleicherobmann Johann Sterzinger daher und fängt gleich an zu philosophieren: „Wir müssen aufpassen, dass das Schleicherlaufen nicht zu kommerziell wird. Unesco-Kulturerbe ist das Traditionelle.“ Trigler nickt heftig: „Das Schönste der Fasnacht ist die Mystik.“ Wohl ein kleiner Seitenhieb auf jene, die heuer die Chronologie des Umzuges zugunsten der Wägen verändern wollten. Die Traditionalisten setzten sich aber durch, die Wägen werden wie bisher auch nach den Gruppen auffahren.

Die „Tschapfler“ kehren nach 120 Jahren zurück
Bei den Schleichern, der namensgebenden Kerngruppe, gibt’s diesmal Zuwachs: Nach 120 Jahren feiern die „Tschapfler“ am 2. Feber ein Comeback. Ähnlich den Kübelemajen in Imst und Nassereith treten sie in Gestalt junger Mädchen in bäuerlichen Trachten auf. Sie tragen kleine hölzerne Kübel, die „Tschapfen“, und weiße Tücher. „Wahrscheinlich wurden sie abgeschafft, weil sie die Zuschauer mit ihrem Kübelwasser nass gespritzt haben“, mutmaßt Sterzinger, „jetzt wird statt Wasser duftender Babypuder verwendet.“

„Söll mar huire in d’ Fasnacht giah?“
Auch in Imst hat das Fasnachtsvirus bereits Hunderte befallen. Die Arbeiten an den Fasnachtswägen gehen in die Zielgerade, der pompöse Aufputz (Kopfschmuck) wird kontrolliert und gegebenenfalls in filigraner Kleinarbeit restauriert. Rund 900 Teilnehmer (ab 16 Jahren, für die Jüngeren gibt’s ja die Buabefasnacht) scharren für den großen Auftritt am 9. Feber in den Startlöchern. Allerdings muss zuerst bei der Vollversammlung am Dreikönigstag im Mehrzwecksaal der NMS Unterstadt geklärt werden, ob die Fasnacht überhaupt stattfindet. Einmal mehr wird Obmann Uli Gstrein die berühmte Frage stellen: „Söll mer huire in d’ Fåsnåcht giah?“ und sich ein tosendes „Ja“ abholen. Niemand kann sich erinnern, dass diese Frage jemals verneint wurde. Dann beginnt auch ganz offiziell der Ausnahmezustand in Imst. Die Hauptversammlung in Telfs geht bereits am Mittwoch (10 Uhr, Rathaussaal) über die Bühne.

Hubert Daum, Kronen Zeitung

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