25.12.2019 12:00 |

Studiert jetzt Jus

Doppelmörder: „Ich will nie wieder zurück in Haft“

Ein verurteilter Doppelmörder, der mit einer Handgranate getötet hat: Im Interview spricht er über sein Leben mit der Strafe. Und er erzählt auch, wie er hinter Gefängnismauern seine Zukunft plant.

Weihnachten ist für Häftlinge stets schwierig. Im Gefängnis hat das frohe Fest wenige Freunde. Wegen der Feiertage ruht die Arbeit, die Zeit außerhalb der Zelle ist auf ein Minimum beschränkt. Und wenn die Lichter der nahen Wohnungen mit den geschmückten Christbäumen zu sehen sind, drückt das aufs Gemüt.

Auch Kristijan H. (39) wird diese Weihnachten hinter Gittern verbringen. „Ja, ich bin ein Mörder!“ Er steht zu seiner Tat. Zu einem perfiden Doppelmord, bei dem er zwei unbequem gewordene Geschäftspartner mit einer Pistole und einer Handgranate getötet hat.

20 Jahre lautete das Urteil und nur sein umfassendes Geständnis hat ihn vor dem Lebenslang bewahrt. Doch heute, fünf Jahre später, ist eine Wandlung sichtbar. Hilfreich sind da Therapie-Gespräche mit einer Psychologin, mit der er die Tat aufarbeitet. Und hinterfragt, wie es dazu kommen konnte. Ein Jusstudium hat er zur Hälfte absolviert, eine Ausbildung als Mediator ist in Planung.

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Ja, ich bin ein Mörder, ich weiß, warum ich hier im Gefängnis bin. Selbstjustiz ist verboten. Wir sind ein Rechtsstaat. Die harte Strafe muss sein.

Kristijan H. über die Zeit in der Haft

Zusatzausbildung als Mediator geplant
Im Interview mit der „Krone“ blickt Kristijan H. zurück. Drei Monate nach der Tat wird er im Mai 2014 festgenommen: „Zuerst kam ich in die Haftanstalt Josefstadt. Das war der absolute Tiefpunkt in meinem Leben. Ich dachte, jetzt ist alles vorbei.“ Für den Familienvater, der als Lehrer gearbeitet hat und Chef einer Gebäudereinigungsfirma war, ist das eine neue Erfahrung. Er ist zuvor noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen.

Kristijan H. machte sich vom ersten Moment in der Haft an keine Illusionen: „Bei dem, was ich getan hab, war mir klar, welche Strafe ich kriege. Aber ich wusste auch: Ich will studieren. Ich will gesund und nicht als völlig verblödeter Asozialer wieder rauskommen. Und ich will hierher nie wieder zurück.“ Aber warum entschied er sich gerade für Jus als Studienrichtung? „Aus Interesse. Und auch deshalb, weil ich selbst Betroffener bin“, antwortet er.

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Ich will auch mithilfe der Ausbildung als Mediator meinem Sohn eine Stütze sein. Er hat durch meine Tat einen schweren Rucksack zu tragen.

Kristijan H. über Sohn und Mediation

Vormittag Buchbinderei, Nachmittag Studium
Nach einer Zwischenstation in der Haftanstalt Garsten (OÖ) wird Kristijan H. nach Suben verlegt. Hier ist ein Studium bei der Fern-Uni Hagen möglich. Eine Justizwachebeamtin ist ausgebildet, Prüfungen abzunehmen. Der Gefängnisalltag ist fix strukturiert: Am Vormittag ist Kristijan H. in der Buchbinderei tätig. Der Nachmittag ist für das Studium reserviert.

Auch eine Zusatzausbildung als Mediator ist geplant. Kristijan H.: „Vielleicht kann ich meinem Sohn, der durch meine Vergangenheit einen schweren Rucksack zu tragen hat, mit guten Tipps beistehen. Und wenn ich die Ausbildung früher gemacht hätte, wäre ich vielleicht nicht hier.“

Kristijan H. erkundigte sich sogar, vielleicht ein wenig im Spaß, bei der Rechtsanwaltskammer in Wien, ob irgendwann eine Karriere als Anwalt möglich sei. „Natürlich haben die sofort Nein gesagt. Aber als juristischer Mitarbeiter einer Kanzlei, das wäre doch was“, schildert er seine Berufspläne.

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Mir war von Beginn an klar: Ich will gesund und nicht als verblödeter Asozialer aus dem Gefängnis herauskommen. Und ich will studieren.

Kristijan H. über seine Zukunft

Viel Zeit verbringt er mit juristischen Büchern, die mehrere Regale in seiner Zelle füllen. Kritik am Strafvollzug hört man nicht: „Ich weiß, warum ich hier bin.“

Das Verbrechen
Am 10. Jänner 2014 wurden der deutsche Lkw-Lenker Waldemar W. und ein Freund in Wien-Ottakring ermordet. Motiv war ein Streit bei illegalen Treibstoffgeschäften an der Steuer vorbei. Einer der Beteiligten plante auszupacken. Kristijan H. wollte das verhindern, lockte Waldemar W. und einen Freund zu einer Aussprache und tötete beide mit einer Handgranate und einer Pistole. Er wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt, über zwei Mittäter verhängte das Gericht 20 und zwölf Jahre.

Peter Grotter, Kronen Zeitung

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