25.12.2019 06:00 |

„Zog mir Boden weg“

Nach Krebsdiagnose: „Will Enkel aufwachsen sehen“

Im Februar bekam Helmut Greiner die grauenhafte Diagnose: Krebs. Damit begann der schlimmste Kampf seines Lebens. Jetzt scheint es, als hätte er ihn gewonnen. Die Weihnachtsfeiertage haben für den Burgenländer deshalb eine ganz besondere Bedeutung.

Unzählige Fotos sind im „Krone“-Archiv von ihm zu finden; von Helmut Greiner, dem ambitionierten, eloquenten Pressesprecher; einst des BKA, später der LPD Burgenland. Sämtliche dieser Bilder zeigen - einen großen, stattlichen, scheinbar kerngesunden Mann. „Trotz häufiger Bandscheibenprobleme“, sagt der 57-Jährige, während er nun in seinem hübschen Haus mit seinem Enkel Louis (6) ein Legoauto zusammenbaut, „habe ich mich eigentlich immer topfit gefühlt. Bis zuletzt.“

Bis zum 18. Februar 2019. Als er wegen Rückenschmerzen bei seiner Hausärztin war und sie „quasi nebenbei“ fragte, ob „der kleine Knödel“ an seinem Hals „vielleicht das Vorzeichen einer Angina“ wäre. Dann ging alles ganz schnell: Die Medizinerin fand den Knoten „alarmierend“, noch am selben Tag wurden bei Greiner Ultraschalluntersuchungen - und, „gleich im Anschluss daran“, ein MRT gemacht. Das niederschmetternde Ergebnis: Krebsverdacht.

„Zog mir den Boden unter den Füßen weg“
„In dem Moment, in dem ich das erfuhr, zog es mir den Boden unter den Füßen weg.“ Und doch - „gleichzeitig beschloss ich, mich von der Krankheit nicht unterkriegen zu lassen, gegen sie anzukämpfen“.

„Endlich bin ich frei von Metastasen“
Welch schwerer Kampf auf ihn zukommen würde, konnte er da noch nicht ahnen - erst im Wiener AKH wurde schließlich das wahre Ausmaß seines Dramas offenkundig: 111 Tumore hatten sich bereits in ihm gebildet, im Hals-Rachen-Bereich; ausgehend von einem hochaggressiven Mandelkarzinom. Aufenthalte in der Intensivstation und drei mehrstündige Operationen folgten, nach einer musste er sogar in künstlichen Tiefschlaf versetzt werden. Und im Anschluss - umfangreiche Chemo- und Strahlentherapien: „Wochenlang konnte ich nicht essen und kaum reden.“

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Ich habe beschlossen, mich von der Krankheit nicht unterkriegen zu lassen.

Helmut Greiner

Im September eine Kur in einem Reha-Zentrum für Krebspatienten; in Salzburg, in St. Veit im Pongau. Und nach seiner Rückkehr, Ende Oktober, „dieser wichtige Termin im AKH“, zu einer PET-CT. Sein ganzer Körper wurde also genauestens gescannt. Resultat: „Keine einzige Metastase ist mehr in mir.“ Glück, unendliches Glück habe er empfunden, „als ich das erfuhr; und auch, wie in den vergangenen Monaten schon so oft - unendliche Demut.“

„Ja, die Krankheit hat mich verändert“
Wer hat ihm geholfen, in der schwersten Zeit seines Lebens? „Meine Familie, meine Frau, mein Sohn, vor allem aber mein Enkel Louis. Ich liebe ihn sehr, ich wollte und will ihn aufwachsen sehen.“ Helmut Greiner ist „auch vielen meiner Freunde und Kollegen extrem dankbar, sie haben mir so viel Unterstützung gegeben; mich aufgemuntert, wenn es mir schlecht ging“.

„Wenige Dinge zählen“
Genauso wie die Ärzte und das Pflegepersonal im AKH: „Die Betreuung im Spital war großartig. Menschlich, verständnisvoll. Ich bekam vermittelt, dass ich mein Schicksal beeinflussen kann. Das zu erfahren war für mich immens wichtig.“ Trotzdem, ist in ihm nie Angst vor dem Tod gewesen? „Natürlich. Aber irgendwie schaffte - und schaffe - ich es meistens schnell, solch schlimme Gedanken von mir wegzuschieben.“

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Ich bekam vermittelt, dass ich mein Schicksal beeinflussen kann.

Helmut Greiner

Hat ihn die Krankheit verändert? „Ich habe mich früher oft über Nebensächlichkeiten geärgert - und gekränkt. Das tue ich jetzt nicht mehr. Weil ich mittlerweile weiß, dass nur wenige Dinge wirklich zählen.“ Gesundheit; Menschen an der Seite zu haben, „die zu 100 Prozent hinter mir stehen“. Die Frage „Warum ich?“ - war, ist sie da? „Selbstverständlich.“ Die Antwort? „Ich rauche und trinke nicht; ich ernährte mich von Jugend an ausgewogen.“

Und seelisch? „Wie bereits erwähnt, ich nahm mir manches mitunter zu sehr zu Herzen. Aber das wird wohl nicht der Grund für meine Tragödie gewesen sein.“ Und ohnehin, „nach Ursachen zu forschen für etwas, für das es in Wahrheit keine Erklärung gibt, macht keinen Sinn“. Deshalb habe er „mit dem Krebs Frieden geschlossen. Du warst in mir, sage ich ihm, und in Zukunft bleibst du mir fern.“

Die Zukunft
Was sind Helmut Greiners Pläne? „Am 1. Jänner beginne ich wieder in der LPD Burgenland zu arbeiten, darauf freue ich mich sehr.“ Und sonst? „Ich tue Dinge, die mir Spaß machen. Spiele oft mit meinem Enkel, betreibe Sport, denke an Schönes.“ Die nächste große medizinische Kontrolle soll in wenigen Wochen stattfinden: „Ich glaube fest daran - das Untersuchungsergebnis wird gut sein.“

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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