Solidaritätsaktion

“Maturastreich” für Familie Zogaj: “Wir sind Arigona”

Österreich
24.06.2010 11:30
Die Mitschüler von Arigona Zogaj, die gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern demnächst in den Kosovo zurückkehren muss, haben am Donnerstag eine Solidaritätsaktion vor ihrer Schule in Linz durchgeführt. Die Schüler der HBLA für wirtschaftliche Berufe in der Landwiedstraße deklarierten ihre Aktion als "Maturastreich". In den nächsten Tagen finden außerdem prominent besetzte Benefizveranstaltungen statt.

Die Texte auf ihren Transparenten, mit denen sie die Zufahrt zum Parkplatz der Lehrer sperrten, waren allerdings ausdrücklich nicht scherzhaft gemeint: "Für mehr Menschlichkeit. Für unsere Arigona" und "Schutzzone für die Zogajs". Außerdem trugen sie T-Shirts mit der Aufschrift "Wir sind Arigona", die auch zum Verkauf angeboten werden. Der Reinerlös daraus soll der Familie zugutekommen.

Die Schüler berichteten, dass sich in Arigonas Klasse alle für sie einsetzen würden, in der gesamten Schule sei die Unterstützung jedoch nicht lückenlos. Wer Arigona kennt, stehe aber hinter ihr, sie sei "ehrlich, unglaublich warmherzig und nett". Deswegen sei auch im vergangenen November die Schülerzeitschrift "Gegengift" gegründet worden, in deren unregelmäßigen Ausgaben unter anderem über den Fall berichtet wurde.

Prominent besetzte Benefizveranstaltungen
Zwei prominent besetzte Benefizveranstaltungen am 28. Juni in Wien und am 3. Juli in Frankenburg in Oberösterreich sammeln indes Geld für die Familie Zogaj. Künstler wie maschek, Erwin Steinhauer, Gerhard Haderer, Sigi Maron oder Franzobel stellen sich in den Dienst der Sache und verzichten auf ihre Gagen.

Am 28. Juni findet auf Initiative der Schauspieler Hubsi Kramar und Stefano Bernardin im Dreiraumtheater in Wien ein Benefizabend statt. Über 30 Künstler werden auf der Bühne stehen. Zugunsten der Familie Zogaj werden außerdem Bilder versteigert und Haare geschnitten. Am 3. Juli lädt die Kulturinitiative Kulimu zu einem "Fest für Arigona, Albin und Albona" nach Frankenburg, dem ehemaligen Wohnort der Familie Zogaj, ins Gasthaus Preunerwirt. "Wir wollen zeigen, dass uns ihr Schicksal nicht egal ist und dass die Familie nicht nur Feinde, sondern auch viele Freunde bei uns hat", so die Veranstalter. Der Eintritt ist gratis, Spenden werden erbeten.

"Unverzüglich" Österreich verlassen
Die Zogajs hatten am Dienstag eine schriftliche Aufforderung der Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck bekommen, Österreich "unverzüglich" zu verlassen. Das Amtsdeutsch "unverzüglich" schockierte zunächst die Betreuer der Familie, die mit einer Frist bis zum Schulschluss gerechnet hatten. 

Die Aufregung wurde unnötig gestiftet: Von der Fremdenpolizei hieß es, es sei mit "unverzüglich" nicht "auf der Stelle" gemeint. Es gebe "eine angemessene Frist, und Arigona Zogaj kann mit ihrer Familie den genauen Ausreisetermin wählen". Die Familie wünscht sich zwei bis drei Wochen, hieß es am Mittwoch.

Der Verfassungsgerichtshof hatte vergangene Woche festgestellt, dass der Ausweisungsentscheid des Asylgerichtshofs gegen Arigona nicht verfassungswidrig ist. Die für die Dauer des Verfahrens geltende Aussetzung der Ausweisung war damit abgelaufen.


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