16.12.2019 14:50 |

Intensive Observierung

Terrorverdacht: Anonymer Tippgeber schlug Alarm

Drei Tschetschenen sollen zwischen Weihnachten und Neujahr einen terroristischen Anschlag in der Bundeshauptstadt geplant haben. Das wurde - wie berichtet - gerade noch durch das Einschreiten der heimischen Anti-Terror-Fahnder vereitelt. Konkret dürfte das Trio den Stephansplatz oder den Christkindlmarkt am Rathausplatz im Visier gehabt haben, was aber bislang von Behördenseite noch nicht bestätigt wurde. Ein anonymer Hinweisgeber hatte die Ermittler auf die Fährte der Verdächtigen gebracht.

Zwei Verdächtige wurden Ende vergangener Woche vom Landesgericht Wiener Neustadt in U-Haft genommen. Auch ein dritter Mann wird als Beschuldigter geführt, er verbüßt derzeit bereits eine Haftstrafe in der Justizanstalt Hirtenberg. Dieser Mann gilt als Sympathisant der radikalislamischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und wurde vom Landesgericht Korneuburg wegen terroristischer Vereinigung (Paragraf 278b StGB) zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Anonymer Hinweis brachte Ermittlungen ins Rollen
Ein anonymer Hinweisgeber hatte die Strafverfolgungsbehörden und den Verfassungsschutz auf die Spur der drei Männer gebracht. Angelpunkt und Zentralfigur dürfte der in der JA Hirtenberg einsitzende Häftling sein. Vor allem vor diesem soll der Hinweisgeber gewarnt haben, da er auch nach seiner Verurteilung der IS-Ideologie anhänge. Umfangreiche Ermittlungen, Telefonüberwachungen und Observationen erhärteten die Verdachtslage, die schließlich zur Festnahme der auf freiem Fuß befindlichen Tschetschenen führte - wegen „Gefahr im Verzug“, wie am Montag aus Justizkreisen zu erfahren war.

Ermittlungen wegen terroristischer Vereinigung
„Als Haftgründe wurden vom zuständigen Landesgericht Wiener Neustadt bei den bisher unbescholtenen Männern im Alter von 25 und 31 Jahren Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr, Tatbegehungs- sowie Tatausführungsgefahr angenommen“, teilte Gerichtssprecherin Birgit Borns mit. In formaler Hinsicht laufen die Ermittlungen in Richtung terroristischer Vereinigung.

Die Causa wird als Verschlussakt geführt, sowohl die Strafverfolgungsbehörden als auch das Innenministerium reagierten auf mediale Anfragen entsprechend zurückhaltend und gaben sich bedeckt - zunächst auch auf die Frage, ob es nun verstärkte Sicherheitsvorkehrungen gebe.

Falscher Ausweis sichergestellt
Fest dürfte stehen, dass die drei Verdächtigen laufend Kontakt hatten, auch nachdem einer von ihnen abgeurteilt und in die Justizanstalt überstellt worden war, wo an sich ein Handyverbot gilt und ein Kommunizieren mit der Außenwelt unmöglich sein sollte. Beim Jüngeren der kürzlich Festgenommenen wurde im Zuge einer Hausdurchsuchung ein gefälschter, auf den Namen des Häftlings ausgestellter rumänischer Ausweis sichergestellt.

Wie konkret die Anschlagspläne gediehen waren, ließ sich vorerst nicht eruieren. Dem Vernehmen nach soll sich das Trio auch über Anschlagziele in Deutschland und Luxemburg unterhalten haben.

Anwalt: „Da ist überhaupt nichts dran“
Florian Kreiner, der Anwalt des 31-Jährigen, wies die Verdächtigungen gegen seinen Mandanten zurück. „Da ist überhaupt nichts dran“, versicherte er. Sein Mandant habe mit dem IS nichts zu tun. Der 25-Jährige wiederum ist in der Wiener Kampfsport-Szene ein Begriff. Er war regelmäßig als MMA-Fighter im Einsatz. „Sechs Kämpfe hat er gewonnen, einen verloren“, berichtete sein Verteidiger Wolfgang Blaschitz. Auch Blaschitz hält die Beweislage für dürftig: „Was die behaupteten Anschlagspläne betrifft, hat es keine Vorbereitungshandlungen gegeben.“

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