16.12.2019 09:06 |

Dicke Luft am Bosporus

Erdogan droht USA mit Schließung von Militärbasen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan droht der US-Regierung mit der Schließung der von den USA genutzten Luftwaffenbasis Incirlik. Sollte dies angesichts im Raum stehender US-Sanktionen und wegen der Anerkennung des Völkermords an den Armeniern durch den US-Senat nötig werden, könne er dies veranlassen, sagte Erdogan - ebenso wie die Schließung der US-Radarstation Kürecik.

Die Beziehungen zwischen Washington und Ankara werden derzeit unter anderem dadurch belastet, dass die Türkei trotz scharfer Kritik seines NATO-Partners USA das russische Luftabwehrsystem S-400 gekauft hatte. In diesem Zusammenhang könnte Washington weitere Sanktionen gegen Ankara erlassen.

Erdogan will im Fall von US-Sanktionen „entsprechende Antwort“ geben
„Wenn sie uns mit der Umsetzung dieser Sanktionen drohen, müssen wir reagieren“, sagte Erdogan am Sonntagabend in einem Interview mit dem türkischen TV-Sender A Haber. Und sollten tatsächlich Strafmaßnahmen gegen die Türkei in Kraft treten, werde man die „entsprechende Antwort“ geben.

Die Türkei ist seit 1950 NATO-Partner der USA. An der türkischen Luftwaffenbasis in Incirlik lagern die USA Atomwaffen. Bereits vergangene Woche hatte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu angedeutet, dass die Türkei im Fall von US-Sanktionen den USA den Zugang zu Incirlik und Kürecik verwehren könnte.

US-Senatoren fordern Sanktionen gegen die Türkei, weil diese im Sommer das russische Raketenabwehrsystem S-400 gekauft hatte. Die US-Regierung befürchtet unter anderem, dass Russland über das empfindliche Radar des Waffensystems an Daten über die Fähigkeiten des US-Kampfjets F-35 gelangen könnte. Ankara war Partner beim Bau des Kampfjets und wollte zahlreiche Flugzeuge kaufen. Wegen des Rüstungsdeals mit Moskau haben die USA die Türkei aus dem F-35-Programm ausgeschlossen. Harte Sanktionen blieben bisher aber aus.

Massaker an Armeniern: Entscheid des US-Senats für Türkei „inakzeptabel“
Das Verhältnis zwischen den NATO-Partnern ist auch angespannt, weil nach dem Repräsentantenhaus auch der US-Senat die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord anerkannt hat. Eine entsprechende Resolution war am Donnerstag verabschiedet worden. Die Türkei protestierte scharf. Erdogan sagte am Sonntag, es handle sich um eine politische Entscheidung, die „inakzeptabel“ sei.

Während des Ersten Weltkriegs waren Armenier systematisch verfolgt und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker - eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

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