16.12.2019 06:00 |

Was planten sie?

Terror-Netzwerk um Kampfsportler im Visier

Rätselraten nach den Festnahmen in Wien: Welchen Anschlag die Verdächtigen konkret planten, ist nicht klar. Am Montag bekommen die beiden Anwälte Akteneinsicht.

Licht ins Dunkel bringt in der brisanten Causa wohl erst die Akteneinsicht der beiden Top-Juristen Wolfgang Blaschitz und Florian Kreiner. Davor kann nur gemutmaßt werden, was in den Köpfen der beiden Verdächtigen vorging und was die beiden Wiener mutmaßlich dazu brachte, eine womöglich terroristische Attacke zu planen.

Doch was war passiert? Samstagabend sickerte durch, dass heimische Zielfahnder Anfang der Woche in Wiener Wohnungen offenbar Hausdurchsuchungen durchgeführt hatten. Schnell wurde klar: Auslöser waren Terrorpläne. Involviert: zwei Wiener Tschetschenen.

Duo soll IS-Sympathisanten getroffen haben
Das Duo soll sich schon vor geraumer Zeit mit einem zu diesem Zeitpunkt in der Justizanstalt Hirtenberg (NÖ) einsitzenden IS-Sympathisanten getroffen haben. Dort besprach das Trio wahrscheinlich teuflische Pläne. Zwischen dem Heiligen Abend und Silvester sollte es möglicherweise zu einem Anschlag in Wien kommen. Computer wurden beschlagnahmt, die beiden Wiener sitzen seitdem in Wiener Neustadt in Haft.

Einer der Beschuldigten ist Ahmed A. Der Tschetschene lebt seit langer Zeit in Wien - und galt kriminalistisch als unbeschriebenes Blatt. In der Kampfsportszene ist der MMA-Kämpfer jedoch kein Unbekannter. Dass er einen Anschlag plante, glaubt dort niemand - ganz im Gegenteil.

Ein Profiboxer beschreibt den Tschetschenen im Gespräch mit der „Krone“ als ruhig. „Er ist ein super Junge, ich habe nie eine Radikalisierung bei ihm gesehen.“ Rätselhafter ist die Identität des zweiten Verdächtigen: Alik B. (31) ist ein Phantom, scheint auch nicht aus dem Umfeld der Kampfsportszene zu kommen.

Bedrohungslage bleibt seit 2015 latent erhöht
Auf den Adventmärkten ist indes keine Angst bemerkbar. Ein sonntägiger Lokalaugenschein auf dem Wiener Rathausplatz ergab: alles wie gehabt, ausgelassene Stimmung, keine Bedenken.

Auch bei der Polizei sind keine neuen Sicherheitsmaßnahmen geplant. Lkw-Sperren wie Poller gab es auch schon bisher. Dennoch nimmt man die seit 2015 latent erhöhte Bedrohungslage ernst. „Wenn es konkrete Hinweise gibt, zeigt sich, dass die Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsbehörden und Justiz sehr gut funktioniert“, so Christoph Pölzl, Sprecher des Innenministeriums. Allen Informationen werde nachgegangen.

Tschetschenen in Österreich
Islamismus, Terrorismus, Kriminalität, hohe Gewaltbereitschaft: Immer wieder geraten Personen aus Tschetschenien in die Schlagzeilen. Und prägen damit ein negatives Image. Etwa die Hälfte der rund 35.000 Tschetschenen in Österreich leben in Wien. Die Familien gelten traditionell als kinderreich und streng gläubig.

Die meisten Kämpfer, die sich von Österreich aus dem IS angeschlossen hatten, haben tschetschenischen Hintergrund. Berichte über eine hohe Gewaltbereitschaft lassen die Gemeinde bei uns zusätzlich in schlechtem Licht erscheinen.

Der lange Arm des Ramsan Kadyrow
Für Schlagzeilen sorgte 2009 der Mord an dem Menschenrechtsaktivisten Umar Israilov mitten in Wien - verübt von tschetschenischen Landsleuten. Den Auftrag soll der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow gegeben haben. Der Einfluss des prorussischen Politikers reicht weit über die Grenzen der kaukasischen Republik hinaus.

Auch mit dem Mord an einem tschetschenischen Regimegegner in einem Park in Berlin im August dieses Jahres wird Kadyrow in Verbindung gebracht.

Stefan Steinkogler, Oliver Papacek & Gregor Brandl, Kronen Zeitung

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