10.12.2019 09:00 |

Foto-Schau in Graz

Dora Kallmus: Die Pionierin mit der Kamera

Dora Kallmus (1881-1963) war ein Star der Fotografie des frühen 20. Jahrhunderts. Eine Schau im GrazMuseum widmet sich nun dem „großen Bruch“ im Spätwerk der Künstlerin, deren Leben in der Steiermark sein Ende fand.

Es waren glamouröse Fotos von den Schönen und Reichen, mit denen die Karriere der Dora Kallmus, die sich als Fotografin d’Ora nannte, begann. 1907 eröffnete sie in Wien als eine der ersten Frauen einen eigenen Salon. Sie hatte Gustav Klimt, Arthur Schnitzler und sogar Erzherzog Karl samt Familie vor ihrer Linse und wurde schnell zur prägenden Fotografin der Wiener Moderne.

Ein Star auch in Paris
In ganz Europa rissen sich die Mode- und Society-Magazine um ihre Bilder und Mitte der 20er-Jahre übersiedelte sie ihr Studio nach Paris, wo sie endgültig zur wohl erfolgreichsten Fotografin Europas wurde.

In der Steiermark verbrachte die gebürtige Wienerin ihre Sommer - meist ganz ohne Kamera, weshalb es davon auch wenige Bilder gibt. Sie kam, um ihre Schwester Anna zu besuchen, die in Frohnleiten lebte: Das Haus wurde zu einem Treffpunkt der künstlerischen Elite seiner Zeit.

Der Krieg traf die Familie schwer
Der Aufstieg der Nationalsozialisten traf die jüdische Familie schwer: Dora verlor ihre Arbeit sowie ihren Besitz, konnte jedoch im Süden Frankreichs versteckt den Krieg überleben. Anna hingegen wurde aus ihrem Haus in Frohnleiten vertrieben und verstarb im KZ. Der Krieg stellt jenen „großen Bruch“ in der Karriere der Dora Kallmus dar, der der Ausstellung in Graz seinen Namen verleiht.

Der große Bruch im Werk der d‘Ora
Glanz und Glamour sucht man in den Bilder nach 1945 vergeblich. Die Porträts von Kunststars wie Pablo Picasso, mit denen sie ihren Unterhalt bestreitet, wirken freundlich aber nüchtern im Vergleich zu den frühen Bildern. Vor allem aber widmet sie sich nach 1945 zwei Bildserien, die auch im Zentrum der Schau in Graz stehen: In Österreich fotografiert sie Kriegsflüchtlinge in Lagern. Und in Paris besucht sie Schlachthöfe, um dort erschreckend drastische Bilder zu machen. Es sind wohl die Traumata des Krieges, die sie im Spätwerk verarbeitet.

Letzte Jahre in Frohnleiten
Zugleich kämpfte sie um die Restitution des Hauses ihrer Schwester. Erst wenige Jahre vor ihrem Tod am 30. 10. 1963 konnte sie dort wieder ein einzelnes Zimmer (!) beziehen. Am Friedhof in Frohnleiten wurde sie letztlich auch beigesetzt - mit ihrem Grab jedoch ging man sehr herzlos um: Das Monument wurde bald zerstört, ihr Grab sogar wieder vergeben, obwohl dort noch ihre sterblichen Überreste lagen. Heuer hat sie doch noch eine letzte Ruhestätte gefunden, die ihrer einzigartigen Karriere entspricht: Sie erhielt ein Ehrengrab auf dem Jüdischen Friedhof in Graz.

Die Ausstellung „Der große Bruch - d‘Oras Spätwerk“ ist bis zum 3. März im GrazMuseum zu sehen.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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