15.06.2010 15:14 |

Echte Persönlichkeit

Nobelpreisträgerin Ebadi erhält in Wien Ermacora-Preis

Die Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2003 aus dem Iran, Shirin Ebadi, wird am Dienstag im Parlament in Wien mit dem Felix-Ermacora-Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Die Menschenrechts- und Kinderanwältin, die zahlreiche Opfer des Teheraner Regimes vor Gericht vertreten hat, lebt seit einiger Zeit im westlichen Ausland. Sie trifft in Wien auch mit Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) zusammen.

Shirin Ebadi hat Österreich bereits in der Vergangenheit mehrfach besucht. Anfang 2004 hatte die Frau des damaligen Präsidenten, Margot Klestil-Löffler, im Rahmen einer Staatsvisite in Teheran Ebadi in ihrem kleinen Anwaltsbüro im Süden Teherans einen viel beachteten Besuch abgestattet. Unter dem früheren gemäßigten Präsidenten Mohammad Khatami war ein derartig politisches "Damenprogramm" noch möglich. Die Anwältin forderte damals eine Verbesserung der Frauen- und Familienrechte in ihrem Land.

Gute Erinnerungen an Österreich
Ein halbes Jahr später erklärte Ebadi bei einem Besuch in Wien: "Menschenrechte sind eine internationale Angelegenheit", auch wenn einzelne Staaten behaupteten, dies sei Sache der nationalen Souveränität. Beim Waldzell-Meeting im Stift Melk rief die Anwältin, der das klerikale Regime in Teheran mehrfach eine unislamische Haltung vorgeworfen hat, dazu auf, die Untaten des Terrorismus nicht dem Islam anzulasten. "Demokratie und Menschenrechte sind das gemeinsame Ziel aller Kulturen. Terror und Gewalt sind in jeder Religion verpönt."

Unter dem jetzigen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad hat sich die Menschenrechtslage im Iran zunehmend verschlechtert. Im November des Vorjahres beschlagnahmten die iranischen Behörden den Friedensnobelpreis (Medaille und Urkunde) der Menschenrechtskämpferin in einem Bankschließfach. Ihre Konten und die ihres Mannes wurden eingefroren. Doch das war nicht alles. Die Behörden gingen auch gegen Familienangehörige der Anwältin vor in der offenkundigen Absicht, diese damit unter Druck zu setzen.

Schwierige Zeit ab Ahmadinejad-Wiederwahl
In der Zeit nach den umstrittenen Präsidentenwahlen 2009, bei denen der Hardliner Ahmadinejad im Amt bestätigt worden war, wurden Mitstreiter Ebadis sowie ihr Ehemann Javad Tavasolian festgenommen und schikaniert. Erst vor wenigen Tagen, am 10. Juni, wurde im staatlichen iranischen Fernsehen ein Programm ausgestrahlt, in dem Tavasolian seine Frau in einem schlechten Licht darstellte. Laut der Menschenrechtsorganisation "International Campaign for Human Rights in Iran" wurde dieses "Bekenntnis" nach Misshandlungen in der Haft aufgenommen.

Ebenfalls am 10. Juni wurde Narges Mohammadi, eine Sprecherin der von Ebadi gegründeten Organisation "Zentrum zur Verteidigung der Menschenrechte" (DHRC), mitten in der Nacht festgenommen - über den Aufenthalt der Frau wurde bisher nichts bekannt. Die "Campaign for Human Rights" erinnerte auch daran, dass Ebadis Schwester, die Ärztin Nooshrin Ebadi, die an der Universität lehrt und forscht, im vergangenen Dezember 17 Tage lang in Arrest kam. Man drohte ihr mit dem Verlust ihrer Stellung.

Ebadi befindet sich unterdessen im westlichen Exil, von wo aus sie ihren Kampf für Menschenrechte und Demokratie in ihrem Land fortsetzt. Für ihr Eintreten für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie im Iran ist sie in diesem Jahr bereits mit dem Internationalen Demokratiepreis Bonn 2010 ausgezeichnet worden.

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