Ölpest vor US-Küste
BP und das WWW: Die Image-Schlacht um das Öl-Desaster
Zeitungsinserate und TV-Spots dürften BP laut US-Berichten bisher an die 100 Millionen Dollar gekostet haben. Zum Vergleich: Laut Angaben vom Donnerstag hat das Unternehmen bisher 1,2 Milliarden Dollar in die Aufräum- und Abdichtarbeiten im Golf von Mexiko gebuttert. In den Einschaltungen klärt der Konzern scheinbar über die Ausmaße der Katastrophe auf und versichert dabei stets, dass alles Menschenmögliche getan werde, um die Katastrophe zu beseitigen.
Den Zahlenkrieg - die Frage, wie viel Öl tatsächlich ausläuft - hatte BP anfangs über Wochen beherrscht. Der Wert 800.000 Liter pro Tag galt sogar bis Ende Mai. Erst als US-Wissenschaftler Berechnungen vorlegten, die das bis zu 19-Fache der von BP genannten Menge in Aussicht stellen, begann sich die Debatte zu drehen. Kürzlich verkündete der Konzern, es würden mit dem neuen Absaugtrichter täglich 1,6 Millionen Liter auslaufendes Rohöl über der lecken Steigleitung abgesaugt...
Aktionismus und Satire: Das Internet schlägt zurück
Im World Wide Web gibt es für BP hingegen zwar viele Möglichkeiten, die öffentliche Meinung zu manipulieren, allerdings lässt sich die Internetgemeinde weit weniger gefallen. Seit die US-Regierung den Konzern gezwungen hat, einen Live-Video-Feed des in 1.500 Metern Tiefe sprudelnden Erdöls einzurichten, findet sich in nahezu jedem Blog, der über das Thema berichtet, ein Link auf den Echtzeitbeweis, dass noch immer Öl ins Meer fließt - egal, was getan wird.
Auch Aktionismus gegen den Konzern findet statt. Auf der Social-Networking-Plattform Facebook gibt es Dutzende Anti-BP-Gruppen, deren Mitgliederzahl in die Millionen gehen. Auf der Kurznachrichten-Plattform Twitter werden Aufdecker-Reportagen über BPs Lobbying-Maßnahmen in Washington seit Wochen wieder und wieder getwittert. Auf Videoportalen wie YouTube nehmen sich Amateur-Komödianten mit Sarkasmus der Ölpest an. Besonders beliebt ist derzeit ein Clip, der BP-Chefs beim hilflosen Kampf gegen einen verschütteten Becher Kaffee zeigt (siehe Video oben).
Regen Zulauf bekommt seit ein paar Tagen auch ein Logo-Redesign-Wettbewerb der Website "LogoMyWay" (siehe Bilder-Collage oben bzw. Link zur Website in der Infobox). Dort sind Grafiker und künstlerisch begabte Internetnutzer aufgerufen, das BP-Logo im Schatten der Ölpest neu zu zeichnen. In nur wenigen Tagen gab es fast 500 Einsendungen qualitativ hochwertiger Arbeiten, in denen das Logo des Konzerns, der seinen Namen seit dem Jahr 2000 als Abkürzung des Slogans "Beyond Petroleum" (dt.: jenseits von Erdöl) verstanden wissen will, plakativ verfremdet wird.
Sämtliche Suchmaschinen-Adwords aufgekauft
In die Kritik geriet am Donnerstag auch der Suchmaschinengigant Google: Blogger haben festgestellt, dass BP sämtliche sogenannten Adwords zum Thema Ölpest aufgekauft hat bzw. als Höchstbieter bei den in Sekundenbruchteilen versteigerten Sucheinträgen agiert. Sämtliche Werbelinks zu Begriffen wie "oil spill" oder "deep water horizon" führen daher auf Websites des Unternehmens.
"Inmitten einer solchen Umweltkatastrophe derartige Meinungsmanipulation und Zensur zu betreiben, zeugt von extrem schlechten Geschmack", meinte Lisa Graves vom Center for Media and Democracy gegenüber dem renommierten Zeitung "Christian Science Monitor". Es gebe immer noch Internetnutzer, die kaum zwischen Werbelinks und "echten" Informationsangeboten unterscheiden können. Werbefachleute schätzen, dass BP für die Suchmaschinenwerbung 10.000 Dollar pro Tag ausgibt.
Obama zitiert BP-Vorstand ins Weiße Haus
US-Präsident Barack Obama hat indes den BP-Vorstand zu Gesprächen über die Bekämpfung der Ölpest im Golf von Mexiko ins Weiße Haus bestellen lassen. Ein entsprechendes Einladungsschreiben habe der Chef der US-Küstenwache, Admiral Thad Allen, an den BP-Vorsitzenden Carl-Henric Svanberg geschickt, hieß es am Donnerstag in Washington. In dem Brief werden Svanberg und "alle dazugehörigen BP-Mitarbeiter" aufgefordert, am kommenden Mittwoch ins Weiße Haus nach Washington zu kommen. Obama werde an einem Teil des Treffens teilnehmen, hieß es darin. Diese Woche hatte der US-Präsident für Aufregung gesorgt, als er ankündigte, es werde "Arschtritte" für die Verantwortlichen geben.







Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.