12.11.2019 06:00 |

„Krone“-Bim-Interview

„Herr Schützenhöfer, sind Sie cooler als Kurz?“

Hermann Schützenhöfer (ÖVP) will nach der steirischen Landtagswahl am 24. November Landeshauptmann bleiben. Als erster der sechs Spitzenkandidaten fuhr er für ein etwas anderes Interview mit der „Krone“-Kunst-Bim.

“Krone“: Eine Bim-Fahrt durch Graz – für Sie etwas Besonderes?
Hermann Schützenhöfer: Ich komme selten dazu. Innerhalb der Innenstadt gehe ich normalerweise zu Fuß, sonst bin ich mit dem Wagen unterwegs. Das letzte Mal bin ich am Christtag nach der Messe im Dom mit der Straßenbahn nachhause gefahren.

Können Sie sich erinnern, wie viel ein Stunden-Ticket kostet?
Ich glaube 1,50 Euro. Stimmt’s?

Nicht ganz. 2,50 Euro.
Gut.

Sie sind viel in der Volkskultur tätig. Was macht das Steirische aus?
Die Steirerinnen und Steirer sind fleißige Leute. Wir arbeiten gerne und wir feiern gerne. Das Steirische ist eigentlich die Lebensart, das Bekenntnis zur Tradition, zur Tracht, zur Landschaft. Wichtig ist mir, dass man die Tracht nicht politisch vereinnahmt.

Sebastian Kurz ist eher der Moderne. Gibt es einen Punkt, in dem Sie „cooler“ sind als er?
Das möchte ich selber nicht beurteilen. Der Sebastian ist ein Glücksfall für Österreich. Er ist ein Schwiegermutter-Typ. Der logische Unterschied ist – das ist aber kein Manko – die Erfahrung. Das Draufgängertum, das die Jungen haben und ich auch gehabt habe, ist natürlich gut. Beides zu vereinen in einer Gesamtbewegung halte ich für ziemlich wichtig.

Was wollen Sie Ihren Enkeln beibringen?
Das, was ich versuche, auch meinen erwachsenen Kindern beizubringen: Dass man ein Leben lang lernen muss. Aber immer auch gepaart mit der Hoffnung, dass es dieses kleine Quäntchen Glück gibt, das ja jede und jeder von uns braucht, um ein gelingendes Leben zu führen. Wir müssen alles tun, damit wir den Kindern nicht Hypotheken hinterlassen, sondern ein Stück Zukunft eröffnen. Deshalb bin ich auch in Wahlkampfzeiten nicht dafür zu haben, dass man Versprechungen macht mit Geldern, die wir nicht haben und nie haben werden. Ich hab noch mitbekommen, wie das ist, wenn die Mutter damals den Schilling drei Mal umdrehen musste, bevor sie ihn einmal zur Hälfte ausgibt. Ich habe nie Krieg erlebt, aber meine Eltern, meine Großeltern, haben das. Aber ich habe auch miterlebt, wie da 2500 Flüchtlinge täglich gekommen sind. Freiheit und Friede sind nicht gepachtet. Wir haben 2015 erlebt, wie schnell es geht, dass die Krisen dieser Welt auch vor unseren Haustüren nicht haltmachen.

Als Ihr Vorgänger Franz Voves Ihnen den Landeshauptmann-Sessel überlassen hat, war das ein Glück für Sie?
Ich habe eher Last auf den Schultern gespürt. Natürlich, wenn man Spitzenkandidat ist, will man Landeshauptmann werden. Wenn ich vom Wahltermin absehe, haben wir in dieser Periode mit der SPÖ sehr gut zusammengearbeitet.

Würden Sie sagen, dass Altbewährtes besser ist als politisches Neuland?
Das darf man gegeneinander nicht ausspielen. Die Gesellschaft ändert sich, das Leben ändert sich, die Einstellung ändert sich. Heute geht es nicht mehr darum, dass ich eine Wohnung mit Heizung habe, dass ich eine Kaffeemaschine habe – das haben ja heute alle. Was macht mich glücklich? Ist es nur das hohe Einkommen, oder ist es das eben nicht? Nach meiner Vorstellung ist es die Familie, wenn man das Glück hat, eine solche zu haben.

Was ist Ihr persönlicher, alltäglicher Beitrag, um das Klima zu schützen?
Man muss bei sich selber anfangen. Wenn wir hier in Graz, in der Steiermark, das kaufen, was wir hier von den eigenen Produzenten haben, und nicht das, was massenhaft und billig in Containern über die Weltmeere hergebracht wird, dann habe ich einen ganz großen Beitrag dafür geleistet, dass der CO2-Ausstoß gesenkt wird.

An der Airpower-Flugshow in Zeltweg hat es in Sachen Klimaschutz immer wieder viel Kritik gegeben. Sind Sie für dieses Groß-Event oder brauchen wir die Airpower in der Steiermark nicht?
Der Region und der Steiermark tut die Veranstaltung für die Bekanntheit gut. Die Leute haben es gern, wenn’s kitzelt. Ich bin ja ein Typ, der lieber aus einem Flugzeug aussteigt als einsteigt. Ich glaube nicht, dass die großen Fragen, vor denen wir heutzutage stehen, mit Verboten und Steuern lösbar sind. EU-weite CO2-Zölle, ja – aber wenn ich alleine anfange, schadet das nur mir.

Eine persönliche Frage: Was ist Ihr größtes Laster?
Ich esse zu gern.

Wie erklären Sie in 30 Sekunden einem Kind, wieso man Hermann Schützenhöfer wählen soll?
Es geht darum, dir eine gute Zukunft zu gestalten. Ich glaube, da braucht man an der Spitze jemanden, der den Blick aufs Ganze hat, der auf euch Junge schaut – ihr sollt nicht zurückzahlen, was wir ausgegeben haben – und der auch auf die Alten schaut. Nur so kommen wir miteinander gut aus.

Interview: Hannah Michaeler und Gerald Schwaiger, Kronen Zeitung

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