06.11.2019 15:00 |

Verzweifelter Hilferuf

Wiener Pfleger alarmiert: „Ich kann nicht mehr“

Die Pfleger stoßen an ihre Grenzen. „Die Bezahlung ist sehr gut, aber die Belastung ist nicht mehr auszuhalten“, erzählt ein Pfleger vom Arbeitsalltag in einem Pensionistenhaus der Stadt Wien. Im Nachtdienst muss er, zuständig für drei Stationen und Hunderte Appartements, Unmögliches leisten.

„Ich habe nicht einmal Zeit, einem Patienten, der im Sterben liegt, beizustehen, ihm die Hand zu halten“, schildert der erfahrene Pfleger, der anonym bleiben möchte, von seinen persönlichen Erfahrungen. Wenn um 17 Uhr der Nachtdienst startet, müssen die Pfleger zu dritt zwölfeinhalb Stunden lang mit ihren Assistenten an drei Stationen und in Hunderten Appartements Unmögliches leisten.

„Die ganze Dokumentation nimmt noch viel mehr Zeit in Anspruch.“ Die Sekretärin fehle, ein Direktor sei jetzt schon für zwei Häuser zuständig. Mit der Palliativstation oder der Demenzstation im Nachtdienst sei die Belastung besonders hoch. Menschen in Kurzzeitpflege wissen oft nicht, wo sie sind, ein Patient liegt plötzlich auf dem Boden.

„Krankenstände werden immer mehr“
„Die Krankenstände werden auch beim Personal immer mehr“, schlägt der Pfleger Alarm. „Das Gehalt ist wirklich super“, wiederholt er noch einmal. „Aber das Personal fehlt einfach. Ich kann nicht mehr.“

Von den Pensionisten-Wohnhäusern heißt es dazu: „Die Nachtdienst-Besetzung erfolgt im Rahmen des dafür vorgesehenen Personalschlüssels.“ Es gäbe regelmäßige Kontrollen. Eine elektronische Pflegedokumentation werde derzeit ausgerollt.

Sie haben Infos zum Thema Pflegenotstand? E-Mails bitte an: pflege@kronenzeitung.at oder per Post: Kronen Zeitung, Wien-Red., Muthgasse 2, 1190 Wien.

Maida Dedagic, Kronen Zeitung

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