17.10.2019 08:00 |

Jagdpächter bedroht

Prozess um Wilderer-Drama: 31-Jähriger verurteilt

Cobra-Uniformen statt grünen Lodenröcken – doch sonst ähnelte die Jagd auf einen Wilderer bei Telfs einem alten Heimatfilm. Dramatischer Höhepunkt war, als sich der Angeklagte (31) und der Sohn des Jagdpächters nachts auf einem Feld mit Gewehren gegenüber standen. Nun waren gleich vier Beteiligte angeklagt.

„Auf dieses Feld bei Buchen kommen so viele Gämsen, dass wir sie gar nicht schießen. Mit Jagd hätte das nichts zu tun“, schilderte der Jagdpächter als Zeuge. Der Angeklagte räumte gleich ein, dass es eine „blöde Idee“ gewesen sei. Fest steht: Von seiner Freundin (29), die sich beim Prozess unwissend gab, ließ sich der Oberländer im Mai zum Tatort chauffieren. Vorher hatte er noch bei einem Kumpel ein Gewehr mit Schalldämpfer („zum Schießen auf Becher“) geliehen.

Waffe mit Schalldämpfer genehmigungspflichtig
Beide beteuerten, dass sie von einer nötigen Extra-Genehmigung für eine solche Waffe nichts gewusst hatten. Aus rund 80 Meter Entfernung wilderte der 37-Jährige dann eine Gams – da ertönte auch schon der Ruf: „Waffe fallen lassen!“ Der Sohn des Jagdpächters war in der Nähe gewesen. Er soll nun seinerseits vom Wilderet mit erhobenem Gewehr mit dem Erschießen bedroht worden sein, falls er nicht verschwinde. Minutenlang, bis die Polizei kam, stand sich das Duo mit den Waffen gegenüber. Der Sohn des Jagdpächters war dabei hinter einem Traktor verschanzt.

Freund holte Wilderer ab
Panisch rief der Wilderer dann einen Freund an, der ihn an der Straße abholte. Auch der Kumpel spielte vor Gericht den Unwissenden. „Sie haben trotz der Polizeisperren keinen Verdacht geschöpft und beim Einsteigen nicht einmal das Gewehr gesehen?“, zweifelte die Richterin. Und mahnte: „Eine falsche Zeugenaussage wird strenger bestraft als Wilderei.“ Da gab der 23-Jährige doch noch zu, eingeweiht gewesen zu sein. Der Wilderer wurde dann im Transporter kauernd entdeckt, die Cobra verhaftete ihn. Über den 31-Jährigen ergingen nicht rechtskräftig neun Monate Haft, umgewandelt in 2430 € Geldstrafe. Er leistete bereits Schadenersatz. Die anderen erhielten eine Diversion ohne Strafe. 1000 € (Freundin und Chauffeur) und 900 € (Waffenbesitzer).

Andreas Moser
Andreas Moser
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