12.09.2019 09:00 |

Zuchtverband-Appell

Tiroler Berge sollen zur „wolfsfreien Zone“ werden

Nach rund 50 getöteten Schafen durch Wolf und Bär im Almsommer meldeten sich betroffene Bauern und der Zuchtverband nun mit einem dramatischen Appell zu Wort. Eine Petition im Nationalrat hat eine „wolfsfreie Zone“ im Tiroler Berggebiet als Ziel. Bloßer Herdenschutz und Zäune seien hierzulande unrealistisch.

„Ich habe die Schafe bestialisch zugerichtet aufgefunden. Und viele Tiere sprangen auf der Flucht 200 Meter über eine Felswand in den Tod“, schilderte Werner Leitner, Hirte auf der Inzinger Alm. Bauer Thomas Wegscheider aus Oberperfuss war einer der Betroffenen, er holte seine restlichen Tiere daher in den heimatlichen Stall – „in der Sommerhitze auch keine Lösung, die Schafe wurden fast von den Fliegen aufgefressen und schnauften wie kurz vor dem Herzinfarkt“. Von 13 Mutterschafen bleiben ihm drei Stück. „Da gehen jahrzehntelange Zuchtlinien verloren. Mein Bruder wollte schon alles hinschmeißen“, klagte Wegscheider. Eine Entschädigungszahlung sei angesichts des Dramas ein schwacher Trost.

Schutz unrealistisch
Für Michal Bacher, Obmann des Tiroler Schafzuchtverbandes, ist die Wiederansiedelung von Wolf (und auch Bär) die „größte Dummheit“. Denn ein wirksamer Herdenschutz mit Hunden oder mächtigen Zäunen möge auf großen Flächen und bei großen Herden realistisch sein, im zerklüfteten Tiroler Berggebiet nicht. Einzige realistische Lösung: Es brauche eine Rechtsgrundlage, damit vor allem der Wolf im Notfall „entnommen“ – sprich: abgeschossen – werden könne. Der Zuwachs der Wolfspopulation in Österreich und Nachbarländern sei Besorgnis erregend.

Wolf & Schaf geht nicht
In der Causa aktiv ist NR Hermann Gahr (ÖVP), der selbst 30 Jahre Schafe hatte. Auch er sieht es als „Träumerei“, wenn man glaube, Wolf und Schafe können in Tirol nebeneinander existieren. Er unterstützt die Petition des Zuchtverbandes, die für Tirol „sensible Zonen“ fordert, wo Beutegreifer im schlimmsten Fall abgeschossen werden dürfen. „Derzeit gilt die EU Fauna- und Habitatsrichtlinie, die das verbietet“, sagt Gahr. Aber: Die angestrebten „sensible Zonen“ gebe es bereits in Ländern wie Frankreich, Spanien oder Schweden. Man müsse auch hierzulande die Diskussion vorantreiben, ob ein Nutz- und Haustier nicht ebenso schützenswert sei wie ein Wolf. Ein Beschluss vor der Nationalratswahl ist freilich kaum zu erwarten.

Andreas Moser
Andreas Moser
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