28.08.2019 13:34 |

Kolumne „Im Gespräch“

„Was tut Jesus denn da, zur Rechten des Vaters?“

Ferienzeit war Tanten-Zeiten. Das stellte mich als Tante nicht nur vor programm- und essenstechnische Herausforderungen, sondern auch vor die Herausforderung, die eine oder andere nicht ganz einfache Frage zu beantworten.

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„Was bedeutet mein Name?“, fragt mein siebenjähriger Neffe Theodor unvermittelt beim Frühstück. Ich habe ihm schon öfter erzählt, dass Theodor aus dem Griechischen kommt und übersetzt „Geschenk Gottes“ heißt. Er hört das immer wieder gerne, und so sage ich: „Theodor bedeutet Geschenk Gottes.“ „Heißt das, ich bin Gott?“, fragt er. „Nein“, sage ich. „Das heißt, du bist ein Kind Gottes. Wie alle anderen Kinder Gottes.“ „Aber dann sitze ich wenigstens zur Linken Gottes. Weil zur Rechten sitzt schon der Jesus“, erklärt Theo.

Himmel ist kein Ort, sondern ein Bild für Gemeinschaft mit Gott
Theo hat im Religionsunterricht das Glaubensbekenntnis gelernt. Dort heißt es von Jesus, er ist „aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“ – eine Aussage, die gar nicht so leicht zu begreifen ist. In der Bibel ist an verschiedenen Stellen davon die Rede, dass Jesus zur Rechten Gottes sitzt. So heißt es zum Beispiel im Markus-Evangelium: „Nachdem der Herr Jesus mit ihnen (= den Jüngern) geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes.“ Und die Apostelgeschichte berichtet vom Märtyrer Stephanus, dass er, bevor er zur Stadt hinausgetrieben und gesteinigt wurde, zum Himmel hinaufsah und „sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus stehen zur Rechten Gottes“. Der Himmel ist kein Ort, sondern ein Bild für die Gemeinschaft mit Gott. Und der Platz „zur Rechten des Vaters“ ist ein Bild dafür, dass Jesus nach Tod und Auferweckung ganz und gar bei Gott ist und Teil hat an der Herrlichkeit Gottes.

Was tut Jesus denn da, zur Rechten des Vaters?
Salopp ausgedrückt: Er hält uns einen Platz frei. Oder etwas seriöser formuliert: Er ist uns vorausgegangen, um uns einen Platz zu bereiten. Die Auferstehung Jesu ist nicht Ausnahmefall für einen einzigen, sondern Grund der Hoffnung für alle. Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Epheser, dass Gott in seiner großen Liebe auch uns mit Christus lebendig gemacht hat, „und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Jesus Christus“.

Gott ist Mensch geworden
Er hat sich in die Tiefen unseres menschlichen Lebens begeben. Gott ist da, wo wir sind – das ist die Botschaft von Weihnachten. Die Botschaft geht weiter, der Weg führt auch in die Gegenrichtung: Wir sind da, wo Gott ist. Der Himmel ist geöffnet. Gott holt uns in die Gemeinschaft mit ihm.

Theo hat recht: Sein Platz ist bei Gott. Jedenfalls zur Linken Gottes. Ich glaube, auch zu seiner Rechten. Jesus rückt gern ein wenig für Theo.

Evangelische Pfarrerin Ingrid Tschank, Kronen Zeitung.
ingrid.tschank[@]bnet.at

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