23.08.2019 09:22 |

Schlepperbericht 2018:

„Migrationspotenzial“ in Afghanistan „erheblich“

Immer noch ist und auch weiterhin bleibt der Kampf gegen illegale Migration nach Angaben von Experten eine Herausforderung. Der am Freitag vom Bundeskriminalamt veröffentlichte Schlepperbericht für das Vorjahr zeigt zwar einen Rückgang der Zahl der illegal nach Österreich Eingereisten. Insgesamt wurden 21.236 Personenaufgriffe verzeichnet - um 23,5 Prozent weniger als noch im Jahr 2017. Ein „erhebliches Migrationspotenzial“ besteht aber nach wie vor - und zwar in Afghanistan, warnen die Experten.

Erklärt wird der Rückgang im Vorjahr laut Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität und des Menschenhandels, etwa dadurch, dass neue Schlepperrouten gewählt wurden, die nicht über die Landesgrenzen führten. „Außerdem ergaben Befragungen von Geschleppten, dass sich Österreich nicht mehr unter den Top-Fünf-Zielländern befand.“ Auch die Zahl der Kriegshandlungen in Syrien war rückläufig, ein weiterer Grund für den Rückgang. Außerdem hat das Festhalten der Türkei an dem mit der EU ausverhandelten Migrationspakt seinen Teil dazu beigetragen, so die BK-Experten.

Wurden im Jahr 2017 noch 8994 Migranten, die von Menschenschmugglern ins Land geschleust wurden, aufgegriffen, waren es im Vorjahr 2843 - das entspricht einem Rückgang von 68,4 Prozent. Die übrigen Personen waren ohne Schlepperhilfe nach Österreich gekommen.

Die meisten Übertritte gab es an italienisch-österreichischer Grenze
Italien mit 5170 Personen führte im Vorjahr die Liste der illegalen Grenzübertritte nach Österreich an, gefolgt von Ungarn mit 1648 Personen und Deutschland mit 1431 Personen. Aufgriffe erfolgten im Vorjahr am häufigsten im Bezirk Innsbruck-Land mit 1998, im Bezirk Kufstein (ebenfalls Tirol) mit 1705, gefolgt von den Bezirken Bruck an der Leitha mit 1648 und Baden mit 1293 (beides Niederösterreich) sowie Wien-Josefstadt mit 1291.

Die meisten Geschleppten kamen 2018 aus Afghanistan mit 443, 2017 waren es noch 1686 gewesen. Danach folgte der Iran mit 317 (2017: 440). An dritter Stelle reihte sich Syrien mit 303 Personen ein (2017: 763), danach folgten der Irak mit 236 (2017: 587) und Nigeria mit 202 Personen (2017: 734). Bei den rechtswidrig eingereisten bzw. aufhältigen Personen lagen Staatsangehörige aus Nigeria mit 2138 Personen (2017: 3055) an erster Stelle, gefolgt von Serbien mit 1245 (2017: 782), Afghanistan mit 1095 (2017: 1258), Indien mit 821 Personen (2017: 571) und Pakistan mit 759 (2017: 1472).

Diese drei Schlepperrouten waren im Vorjahr für Österreich relevant:

  • Die östliche Mittelmeerroute bzw. westliche Balkanroute führt von Pakistan und Afghanistan durch den Iran in die Türkei und weiter über Bulgarien oder Griechenland Richtung West-, Zentral- und Nordeuropa. Geschleppt werden hier überwiegend syrische, afghanische und pakistanische Migranten.
  • Die westliche Mittelmeerroute hat ihren Ausgangspunkt in Marokko, wobei die Flüchtlinge hier versuchen, über den Seeweg nach Spanien zu gelangen.
  • Die zentrale Mittelmeerroute hat ihren Ursprung in den Staaten Nordafrikas, insbesondere Libyen, und führt ebenfalls über den Seeweg. Hauptsächlich handelt es sich um Personen aus Nigeria, Marokko, Gambia, Algerien und Somalia.

„In Europa wieder mehr Geschleppte aufgegriffen“
Zuletzt stieg die Zahl der Geschleppten allerdings wieder an. So „wurden in Europa wieder mehr Geschleppte aufgegriffen als gegenüber 2018“, sagte Tatzgern. Zum Teil seien „sehr gefährliche Schleppungen“ entdeckt worden, bei denen die Migranten in Containern und Lkw versteckt waren. „Es ist daher im nationalen und europaweiten Interesse, nur geregelte Migration nach Europa zu erlauben“, wurde Franz Lang, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, in einer BK-Aussendung zitiert.

„Erhebliches Migrationspotenzial“
Auch sei, wie im Bericht verdeutlicht wird, nach wie vor ein „erhebliches Migrationspotenzial“ in Afghanistan vorhanden. „Solange die USA mit ihren verbündeten Staaten in Afghanistan militärisch wirksam sind, wird sich an dieser Situation kaum etwas ändern“, sind die Experten überzeugt. Aufgrund einer restriktiven Politik in Italien ist der Migrationsfluss aus Libyen Richtung Europa stark rückläufig. Angesichts der spanischen Migrationspolitik sei jedoch 2018 ein erheblicher Zustrom von Migranten aus Afrika, insbesondere aus Nordafrika, über das westliche Mittelmeer Richtung Europa zu verzeichnen. Schleppernetzwerke aus Afrika würden die Situation nutzen, um Personen aus Libyen und der Sahelzone über Marokko nach Spanien zu schmuggeln.

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