25.08.2019 07:00 |

Kolumne „Im Gespräch“

„Daheim ist man, wo man verstanden wird“

Eine Sache von vielen, die ich am Urlaub mag, ist das Heimkommen. Nicht unbedingt die Berge von Wäsche, die sich vor der Waschmaschine türmen oder der leere Kühlschrank, der nach Inhalt schreit. Vielmehr ist es das Ankommen. Das Zuhausesein. Ich bin unglaublich gerne in Wien. Aber wenn ich gefragt werde, ob Wien meine Heimat ist, muss ich nachdenken. Sie müssen wissen, dass ich ursprünglich aus Bayern komme, nicht einmal Österreicherin bin.

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Der Duden definiert Heimat als „Land, Landesteil oder Ort, in dem man (geboren und) aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt“. Und so geht es vermutlich vielen. Sie denken beim Begriff Heimat an den Ort ihrer Kindheit, die Wege und Straßen, die sie kannten. Den Bäcker um die Ecke. Den Kirchturm. Die ersten blutigen Knie, den ersten Kuss, den ersten Liebeskummer. Heimat als Ort, der warme Erinnerungen wach werden lässt. Dessen Emotionalität erst in der Fremde besonders spürbar wird, dann, wenn man ihn vermisst: „Heimweh“.

„Daheim ist man, wo man verstanden wird“
Manche verbinden Heimat aber auch mit Schmecken, Riechen und Hören. Mit dem ortstypischem Essen, dem ganz bestimmten Geruch oder der einen Melodie. Und dann gibt es jene Menschen, wie meine Nichten und Neffen, die aufgrund des Berufs meines Schwagers immer wieder ihren Wohnort wechseln müssen und noch nie länger als drei Jahre in einem Land gelebt haben. Für sie hat Heimat nichts mit einem Ort zu tun, sondern mehr mit Zugehörigkeit. Mit Familie. Mit geborgenem Zusammensein. So wie Christian Morgenstern schrieb: „Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird.“

Heimat als Ort tiefen Vertrauens
Sucht man den Begriff Heimat in der Bibel, wird es schwierig. Die Bibel ist eine große Erzählung von Heimatverlust, Migration, Flucht und Vertreibung. Das beginnt schon mit Adam und Eva, die mit der verbotenen Frucht ihre paradiesische Heimat verspielen. Von da an sind die Menschen auf der Suche nach Heimat. Und dabei geht es nicht nur um einen profanen Ort, nicht um etwas Statisches. Es geht um Heimat als Gefühl von Sicherheit und Verlässlichkeit. Heimat als Ort des tiefen Vertrauens, an dem meine Zugehörigkeit außer Frage steht. Heimat als Miteinander von Menschen und Gott. Heimat als Stückchen „heile Welt“. Diese Art von Heimat verstehe ich als meine Heimat. Und die lässt sich gestalten, auch in der Fremde: Dann ist Heimat nicht mehr dort, wo man herkommt, sondern dort, wo man gemeinsam hinwill. Gemeinsam sind wir Heimat!

Ein Stück Reich Gottes auf dieser Welt, bis zur endgültigen „Heimkehr“, wie wir Christen den Tod oft nennen. „Denn wir wissen, dass, wenn unser irdisches Zelthaus zerstört wird, wir einen Bau von Gott haben, ein nicht mit Händen gemachtes, ewiges Haus in den Himmeln.“ (2. Korintherbrief)

Evangelische Vikarin Julia Schnizlein, Kronen Zeitung
julia.schnizlein[@]lutherkirche.at

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