11.08.2019 18:54 |

29 Fälle in Salzburg

Lehrer unterbrechen ihre Karenz in den Ferien

Neun Wochen voll bezahlter Urlaub in der Karenzzeit? Was für „normale“ Mütter ein unerreichbarer Traum bleibt, ist für manche Pädagogen lukrative Realität. Möglich ist das aufgrund des Beamtendienstrechts, das hier ein Schlupfloch bietet.

Der „Schmäh“ funktioniert folgendermaßen: Frau oder Herr Lehrer gehen während des Schuljahres in Elternkarenz. Pünktlich zur Zeugnisverteilung wird diese beendet, weil dann der jeweilige Partner zu Hause bleibt. Nach neun Wochen kümmern sich dann wieder die Lehrer um die eigenen Kinder und den Haushalt.

Offiziell sind die Pädagogen in den Ferien im Dienst. Weil die Schulen aber geschlossen haben, müssen sie nicht arbeiten. Und eine Pflicht, bei der Ferienbetreuung von Schülern zu helfen oder sich selbst weiterzubilden, wird zwar lange gefordert, scheiterte aber bislang stets an der mächtigen Lehrergewerkschaft.

29 Fälle von „Karenzzuckerln“ gibt es aktuell bei den Salzburger Landeslehrern, deckte jetzt der Zweite Landtagspräsident Sebastian Huber (Neos) rechtzeitig zur Halbzeit der Sommerferien auf. Bei 300 Pädagogen, die sich derzeit vom Dienst in den Volks-, Neuen Mittelschulen, Sonderpädagogischen Schulen und Berufsschulen karenzieren haben lassen, ist das ein Anteil von zehn Prozent.

Immer mehr nehmen die Möglichkeit in Anspruch

Aber auch die Bundeslehrer an den Gymnasien und Höheren Schulen wissen um ihre Rechte: 2014 unterbrachen bundesweit 53 von 870 Pädagogen im Sommer die Karenzzeit – umgerechnet sechs Prozent. Heute sei der Anteil doppelt so hoch, so Huber. Er fordert ein Ende des „nicht nachvollziehbaren“ Privilegs: „So seltsamen Regelungen wie das ,Karenzzuckerl’ sind Gründe dafür, dass der Berufsstand der Lehrer immer wieder in Verruf gerät.“

Aus dem Bildungsministerium heißt es, es gebe keine Gesetzeslücke. Das Recht gelte für alle öffentlichen Bediensteten. Vertreter der Lehrergewerkschaft waren vorerst nicht erreichbar - es sind ja Sommerferien.

Wolfgang Fürweger
Wolfgang Fürweger
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