BIG unter Beschuss

“Es reicht!” – 1.000 Schüler pauken seit Jahren im Container

Tirol
28.04.2010 17:34
Seit drei Jahren büffeln 1.000 HAK-Schüler in Containern am Rande Innsbrucks, angeblich unter widrigsten Umständen. Eine Übergangslösung wurde Alltag. Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) steht unter Beschuss. Verhandlungen zwischen BIG, Eltern, Lehrern, Stadt & Land fanden statt. Einigkeit gab es dabei nicht.

Ein Containerdorf hat Tirols Schulsystem fest im Griff. Zwischen Innsbruck und Kranebitten pauken 1000 Schüler der HAK-Innsbruck seit etwa drei Jahren in Container-Klassen. Geht es nach dem Landesschulrat Hans Lintner und der HAK-Eigentümerin BIG so war dieser Zustand nie geplant. Die Schüler wollen nun in ihre Klassenräume zurück. Deshalb verhandelten Stadt, Land, Lehrer und Eltern mit der BIG. Man erntete aber Kopfschütteln. Ein Gremium soll den Baufortschritt forcieren.

Vorgeschichte: Das HAK-Stammgebäude in Saggen wurde 2007 als sanierungsbedürftig eingestuft. Im Sommer wurden die Schüler flott ausquartiert. Doch statt Bauarbeitern, marschierten Anwälte auf: Ein Streit zwischen Immo-Gesellschaft und Ministerium bezüglich der Miete entbrannte. Erst 2009 wurde ein Mietvertrag unterzeichnet und die Bagger konnten anrollen.

Die BIG sieht das anders: "Wir versuchten die HAK-Schüler so lang als möglich im Stammgebäude zu halten. Während der intensiven Bauphase hätten sie dann in die Container übersiedeln sollen", so BIG-Sprecher Ernst Eichinger. Maximal eineinhalb Jahre waren für die Sanierung geplant. Doch der Landesschulrat machte den Zeitplänen der BIG angeblich einen Strich durch die Rechnung. "Der Bau des 5. Gymnasiums veranlasste Lintner, von der BIG zu verlangen, die HAK als 'Asylzentrum' für die Schüler des 5. Gymnasiums zu verwenden", poltert Eichinger.

Durch die besetzten Klassen im Stammgebäude haben sich die Bauarbeiten um sechs Monate verzögert. "Der Landesschulrat ist also für den status quo verantwortlich", so Eichinger. Über die Kritik, dass die Luft in den Containern extrem schlecht sei, sagt Eichinger: "Wir haben 400.000 Euro in Klimaanlagen, Lüftung und Isolierung investiert. Die schlechte Luft hat nur mit der schlechten Betriebsführung zu tun." 

Lintner erwägt Klage
Wie geht’s weiter? "Die Schüler siedeln im Sommer 2011 zurück ins Stammgebäude. Vollbetrieb startet im Schuljahr 2011/2012." Lintner traute seinen Ohren kaum, als er durch die "Krone" mit oben erwähnten Aussagen der BIG konfrontiert wurde: "Erst vorgestern vereinbarten wir mit der BIG einen vorzeitigen Umzug der Schüler ins Stammgebäude im Februar 2011. Zudem wurde zugesichert, dass Hitze- und Lüftungsprobleme beseitigt werden. Wenn die BIG die Vereinbarungen kippt, werden wir Klage einbringen."

von Matthias Holzmann, Tiroler Krone
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